Elektrisches Autofahren: macht es wirklich Sinn? Der Klimawandel macht mir Angst, große Angst. Mir geht es wie vielen gerade: Ich möchte etwas verändern. Ich möchte meiner Verantwortung als Mama gerecht werden, als Mensch, der „wohlhabenden“ Welt. Deshalb haben wir innerhalb der Familie schon vor einigen Monaten begonnen, nachhaltiger zu leben. Vieles klappt schon, vieles nicht. Oft bin ich frustriert, weil es mir zu langsam geht. Weil ich nicht sicher bin, ob wir das alles so richtig machen. Häufig freue ich mich über unsere kleinen Erfolge.

Es ist noch ein langer Weg!
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Dr. Judith Bildau, Frauenärtzin & MutterKutter-Autorin, lebt und arbeitet in Rom

Dennoch weiß ich: Das, was wir aktuell tun, reicht noch nicht. Wir müssen noch so viel verändern, im Großen und im Kleinen. Wir müssen uns zusammentun. Alle zusammen können wir Großes bewegen!

Ein Thema, das mich in den letzten Wochen sehr beschäftigt hat, ist das Thema „Autofahren“. Auch meine Familie ist, wie eben auch viele von euch, auf ein Auto angewiesen. Wir leben in einer südeuropäischen Großstadt. Einiges geht mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Vieles aber nicht. Wenn ich allein unterwegs bin, fahre ich Vespa und Metro. Das klappt gut, ist sehr zuverlässig und hier in Rom übrigens sehr günstig. Bin ich mit den Kindern unterwegs, braucht es häufiger ein Auto.

Ist „elektrisches Autofahren“ die Lösung für alle?

Ich habe mich mit einigen Experten unterhalten. Vorneweg: Auch ich habe nicht DIE ultimativ beste und ökologischste Antwort gefunden. Leider. Aber ich habe einen sehr guten Überblick gewonnen, den ich mit euch teilen möchte! Und letztendlich habe ich für uns als Familie eine Entscheidung getroffen. Aber dazu später mehr.

Warum bedeutet elektrisches Autofahren nicht gleich grünes Autofahren?

Diese Frage ist relativ leicht zu beantworten: Weil es nicht sinnvoll ist, sich nur das tatsächliche Fahren eines Autos anzuschauen. In die Ökobilanz muss nämlich auch die Produktion der Batterien und die Gewinnung der Antriebsenergie, also die Co2-Entstehung bei der Stromproduktion, hinein gerechnet werden. Ein weiterer wichtiger Aspekte ist außerdem, dass in die Batterien Lithium-Ionen-Akkus eingebaut werden, die unter anderem aus dem Rohstoff Kobalt bestehen. Hauptlieferant für Kobalt ist der Kongo, wo häufig unter menschenunwürdigen Umständen in den Minen gearbeitet wird. Zudem ist aktuell noch relativ unklar, wie die Batterien am Ende ihrer Laufzeit möglichst ressourcenschonend und umweltfreundlich entsorgt werden können.

Was ist ein Elektroauto?

elektrisches autofahren

Ein Elektroauto wird rein elektrisch betrieben. Der Motor besitzt eine Batterie, die aufgeladen werden muss, damit er funktionsfähig ist. Das bedeutet, dass man das Auto statt zu tanken an eine Ladestation hängt. Ein ganz klarer Vorteil eines reinen Elektroautos ist mit Sicherheit die bessere Ökobilanz im Vergleich zu allen anderen Fahrzeugen, die bislang auf dem Markt sind.

Landläufig wird immer noch behauptet, dass Autos mit E-Antrieb letztendlich nicht ökologischer seien. Angegebene Gründe hierfür sind die oben genannten: Die Herstellung der Batterien, die für den Motor gebraucht werden, außerdem das Nutzen der fossilen Brennstoffe, wie der Kohlekraftwerke, bei der Stromproduktion. Diese Punkte sind natürlich alle richtig. Dennoch wird bei dieser Argumentation eines vergessen: Der mögliche Umstieg auf erneuerbare Energiequellen!

Wichtiger Punkt: der Strom des Elektroautos muss aus erneuerbaren Energien gewonnen.

Eine Studie aus dem Jahr 2018 durchgeführt durch das Paul-Scherer-Institut zeigt, dass zumindest in der Schweiz, wo der Strom zu einem großen Teil durch Wasserkraft erzeugt wird, das Elektroauto eine deutlich bessere Ökobilanz hat. Der Energieverbrauch, welcher durch die Herstellung der Batterie, entsteht, ist nach etwa 50.000 Kilometern kompensiert. Danach fährt das reine Elektroauto, geladen mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen, Co2-neutral. (1)

Ein wichtiger Punkt ist also, dass der Strom des Elektroautos aus erneuerbaren Energien gewonnen werden muss. Dann ist grünes Autofahren also tatsächlich möglich. Zwei weitere Aspekte möchte ich hier noch erwähnen, weswegen der Umstieg auf ein rein elektrisches Fahrzeug für viele Menschen aktuell noch schwierig sein kann. Der erste ist der Preis. Elektroautos sind aktuell noch deutlich teurer als Autos mit Verbrennungsmotoren. Der zweite Punkt ist die Reichweite. Diese ist zwar von Fahrzeugtyp zu Fahrzeugtyp noch sehr unterschiedlich, liegt aber immer doch deutlich unter der Tankfüllung eines Verbrenners. Zudem muss bei einer leeren Batterie nicht einfach eine Tankstelle, sondern eine elektrische Ladestation (mit Ökostrom!) gefunden werden.

Was ist eigentlich ein Hybrid?

Ein Hybrid ist eine Kombination aus einem Verbrennungsmotor und einem elektrischen Antrieb. Hier gibt es zwei verschiedene Typen: Einmal einen „reinen“ Hybrid und einmal einen „Plug-in-Hybrid“. Bei einem reinen Hybrid ist es so, dass das Auto die benötigte Elektrizität durch den Bremsvorgang erzeugt. Die Bremsenergie wird gespeichert und schließlich als elektrischer Antrieb genutzt. Bei einem Plug-in-Hybrid kann die Batterie auch von außen mittels eines Kabels aufgeladen werden. Beide Hybridtypen können also sowohl elektrisch, als auch mit Verbrennungsmotor fahren. Hört sich toll an, oder? Auf jeden Fall! Dennoch hat die ganze Sache, neben ihren Vorteilen, auch gewisse Nachteile.

Vor- und Nachteile des Hybrid

Die Vorteile beider Hybridtypen liegt ganz klar auf der Hand: Wir können damit elektrisch, sprich ohne Verbrennungsmotor, Auto fahren. Dennoch sind wir nicht komplett auf elektrische Energie angewiesen. Und wir können, wenn nötig, mit dem Verbrenner weiterfahren. Bei einem Plug-in haben wir sogar die Möglichkeit, unser Auto mit Ökostrom zu aufzuladen. Das sind klare Vorteile der Hybridfahrzeuge. Wir können also teilelektronisch fahren ohne zwingend auf Ladestationen angewiesen zu sein. Nachteile sind natürlich auch hier die oben beschriebenen. Die Herstellung der benötigten Batterie verbraucht Energie. Zudem ist das Auto durch die Batterie und den Verbrennungsmotor schwerer und verbraucht deshalb im Verbrennungsmodus mehr Kraftstoff. Die Hybridautos fahren meist nur bis zu einer gewissen km/h (je nach Fahrzeugtyo bis 30 – 60 km/h) mit dem Elektromotor und springen dann auf den Verbrennungsmodus um. Leider sind sie auch heute noch teuerer als Benzin- oder Dieselfahrzeuge.

Elektrisches Autofahren. Wie ich mich entschieden habe.

Ich habe lange überlegt, Vor- und Nachteile abgewägt. Ich habe mit Experten gesprochen und geprüft, welches Fahrzeug für uns als Familie in Rom praktikabel ist. Natürlich wäre ich am liebsten sofort auf ein reines Elektroauto umgestiegen. Letztendlich habe ich mich das nicht getraut. Auch wenn wir Ökostrom haben, so bin ich auch manchmal mit dem Auto auf weiteren Strecken unterwegs. Ich bin, wie jede Mutter, immer tendenziell im Zeitstress, habe ein straffes Zeitmanagement. Arbeite ich zum Beispiel in der Toskana, ist es für mich sehr schwierig, eine geeignete Ladestation zu finden und mein Auto schnell aufzuladen.

Das mag für viele (berechtigterweise) nicht als Argument zählen. Ich habe mich deshalb aber aktuell dagegen und für ein gebrauchtes Hybridauto entschieden. Einen japanischen Kleinwagen mit geringem Spritverbrauch im Verbrennermodus. Im römischen Stadtverkehr kann ich nie schneller als 40 km/h fahren, ich habe viele, viele Bremsvorgänge, durch die mein Auto automatisch aufgeladen wird. Ich kann also in meinem gesamten städtischen Alttag rein elektrisch fahren. Ein Gebrauchtwagen machte mir auf Grund der bereits verwendeten Energie zur Herstellung Sinn.

Eine Zukunftsaussicht

Bei meinen Recherchen hat mich besonders ein Satz eines Experten beeindruckt. Er sagte: „Judith, es geht um den Systemwechsel.“ Und weiter erklärte er mir: „Wir befinden uns im Umbruch vom fossilen ins elektrische Zeitalter. Für mich ist wichtig, ob meine Entscheidung das System ändert. Also: Wie verringere ich die Nachfrage nach Öl.“ Das erschien mir (und erscheint mir) völlig logisch. Denn: Wir Verbraucher*innen haben es in der Hand! Entscheiden wir uns bewusst für Alternativen zu reinen Verbrennungsmotoren, wird auch mehr Geld in die Weiterentwicklung und Forschung, zum Beispiel für die Entsorgung, von elektrischen Fortbewegungsmitteln gesteckt. Zudem muss es natürlich durch internationale Richtlinien zu menschenwürdigen und geschützten Arbeitsbedingungen beim Kobalt-Abbau kommen.

Deshalb mein Wunsch, der nicht nur die Automobilindustrie betrifft: Lasst uns unserer Verantwortung, aber auch unserer Macht, die wir als Verbraucher*innen haben, bewusst werden! Unser Konsum ist zukunfstentscheidend.

Quelle zum Thema elektrisches Autofahren:

Aktualisierung Umweltaspekte Elektroautos. umweltaspekte_vonelektroautos.pdf (PDF anbei)

Wisst ihr eigentlich, was ein LPG ist? Wir wussten es bis vor Kurzem nicht. Bald geht ein Interview zum Thema online. LPG ist eine sehr interessante Möglichkeit , wie man umweltschonender Autofahren kann.


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One thought on “Elektrisches Autofahren: Macht es wirklich Sinn?”

  1. Liebe Judith, herzlichen für Deinen Beitrag! Darauf habe ich schon gewartet, seitdem Du mal einen Hybrid-Leihwagen hattest und Du es angesprochen hast. Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema und verfolge so einiges wie z.B. das Solarauto von Sono. Aber wie Du schreibst es muss einen Systemwechsel geben und einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Wir hier in Turin haben heute dank extremer Feinstaubwerte Blocco von Diesel Euro5 und es wird nicht besser. Da ich leider beruflich aufs Auto angwiesen bin ist es ein wichtiges Thema. Wir haben ein Auto mit GPL und das ist auch ganz praktisch, aber auf lange sicht nicht die Lösung.
    Alles Liebe Joanna

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