Hallo Chaos! Hallo Leben!
Dorothee Dahinden, Käpt´n MutterKutter, 2 Kinder; Foto: Anne Seliger

19:50 Uhr: Heute ist einer dieser Chaos-Abende. In meinem Hirn rattert es,inzwischen bin ich regelrecht  duselig vor Müdigkeit. Ich summe in meinen Gedanken: „Schlaf, Süße,schlaaaaaaf. Deine Mama ist im Ar***.“ Ja, mann. Echt jetzt. Bitte, ich brauche nun Feierabend, denn: Hilfeeeee, es ist doch eigentlich noch so viel zu tun. Und eigentlich wollte ich doch noch auf die Yogamatte. Eigentlich…Wie so oft. Aber meine Einjährige will nicht schlafen. Ist ja auch langweilig. Kann ich auch verstehen. Stattdessen tritt sie lustig gegen die Gitterstäbe des Kinderbettchens. Und lacht. Oder jault. Und johlt. Und jauuuuuult wieder.

Chaos-Check: Entdeck the Dreck.

Und ich so: Mist, das Klo müsste geputzt werden. Der Abwasch liegt noch nass in der Küche herum. Über die Krümel im Backofen reden wir erst gar nicht (die Ofentür bleibt zu, ist ja dunkel da drinnen). Auch nicht über den Dreck auf der Glasplatte des Esstisches (hervorragend geeignet mit kleinen Kindern, #nicht). Oh, und da ist ja auch noch dieser Wäschekorb, der mich anlacht. Und ich frage mich grad: Doro, hast du wohl morgen noch eine Unterhose? Oder hättest du waschen müssen? Scheiße. Hätte, hätte….Fahrradkette. Same procedure as every evening. Naja, ähnlich zumindest.

Kennt ihr das auch? Dieses kleine oder auch große Chaos, das seit dem Mamasein herrscht? Im Kopf. Im Leben. Zuhause. Oder geht nur mir das so? Die to Do-Liste wird länger, die Tage aber scheinbar kürzer. Seitdem ich Mama bin, sauge ich runde Ecken. Seitdem ich Mama bin, habe ich das Gefühl nur noch einen Bruchteil von dem zu schaffen, was ich schaffen wollte. Seitdem ich Mama bin fühle ich mich so unendlich langsam.

Oh, wo ist denn meine Schmincke hin? Ah, unterm Auge!

Und heute. Heute ist so ein „Hallo, entschuldigen Sie bitte – ich weiß, ich sehe fertig aus-Tag.“ Einer, an dem ich an mir heruntergucke und denke: Oh, Flecken auf dem Pulli. Oh, lange ungehobelte Fingernägel. Aber, Doro, geschminkt bist du, oder? Kurzer Spiegelcheck. Erster für heute (es ist grad 20:19 Uhr): Ja, war ich zumindest. Wimperntusche hängt unter dem Auge.

An manchen Tagen fühlt es sich so an, als ob ich unser Leben mit einer heißen Nadel stricken würde. Und dabei passiert ja gar nichts Aufregendes zwischen Kita, Windeln wechseln, Mittagessen, auf den Spielplatz gehen, mit Freunden treffen und vielleicht noch 3 Überweisungen oder „ein bisschen was für den Job schaffen“. Und trotzdem ist es dann schon wieder Abend, wenn ich realisiere, was ich so gemacht habe. Weniger als früher. Viel weniger. Aber das ist ja auch gut so. Denn auch das gehört für mich zum Mamasein – früher war ich jetzt Bier trinken oder saß im Schnitt (für RTL). Heute lege ich mich entweder schlafen oder schaffe Ordnung. Für den Kopf. Und die Sauberkeit. Aber, by the way, Stück für Stück erobere ich mir auch wieder meine „Mutti hat Ausgang“-Abende. Die empfehle ich euch übrigens von Herzen!

Prost. Auf das Chaos!

20:22 Uhr. Nun schlafen beide Kinder. Und mich überkommt ein Lächeln. Mann, wie ich sie liebe. Diese Kinder. Und, ja, 2 kleine Menschen mehr – das heißt vielleicht: mehr Chaos, mehr aufräumen, mehr Schmutz, aber auch mehr Liebe, viel mehr Leben und Glück. Neulich hat ein Kumpel, der Vater einer 2Jährigen ist, auf unseren dreckigen Esstisch geguckt und das Ganz mit „Sauber! Beruhigend, dass es woanders nicht anders aussieht!“ kommentiert. Right. Same same überall. Scheiß drauf. Auf das Chaos – denn auch das ist  Leben!


Multitasking ist Mamasache!
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Dr. Judith Bildau, Frauenärztin, Model & (Patchwork-) Mama (3 eigene, 2 geschenkte), Credit: Dorothee Dahinden/ MutterKutter

Genau, Doro. Ein bisschen Chaos gehört einfach dazu. Ich sage immer auch immer: Multitasking ist eine Grundvoraussetzung, um im ganz normalen Mama-Wahnsinn nicht komplett den Verstand zu verlieren. Das sollte man eigentlich allen Frauen direkt nach einem positiven Schwangerschaftstest mitteilen- spätestens aber nach der Geburt des ersten Kindes. Der fromme Wunsch, mit Kindern alles in Ruhe fertig machen zu können, entpuppt sich nämlich schon bald als Wunschvorstellung und das kann, leider, schnell in einer Frustration enden.

Das Chaos gehört dazu. Jede Mama hat ihren Frustmoment!

Denn wenn man das Gefühl hat, nie eine Sache ganz in Ruhe zu Ende bringen zu können, mit allen 5 Sinnen beienander, dann kommt unweigerlich der Punkt, an dem man glaubt, einfach gar nichts mehr hinkriegen zu können. Zumindest war und ist es bei mir so. Und ich kenne zum Glück auch viele andere Mütter, denen es genauso geht und die darüber sprechen. Die nicht das Gefühl haben, sich und anderen weiß machen zu müssen, immer alles im Griff zu haben und dass das Leben als Mutter genauso super organisiert weiterlaufen kann, wie zu alleinstehenden Zeiten. Und die sich mit einem darüber freuen, dass sich das Endergebnisses meistens doch recht gut sehen lassen kann und es sich gelohnt hat, einfach die Nerven behalten zu haben.

Ich hatte das Gefühl, niemandem gerecht zu werden!

Bei mir zeigte sich das schon kurz nach der Geburt meiner großen Tochter. Alleinerziehend und kurz vor dem Staatsexamen in Medizin, dass sich einiges verändert hatte. Stillend saß ich über Pathologiebüchern oder aber ich blätterte wie wild irgendwelche alten Skripte durch, während ich mit dem Fuß die Babywiege wippte. Manchmal kam ich mir dabei als die Versagerin schlechthin vor, weil ich das Gefühl hatte, meine Studienkollegen und -kolleginnen lernten Tag und Nacht, was mir dagegen überhaupt nicht möglich war. Bestanden habe ich das Examen trotzdem- und nicht schlechter als die anderen. Aber immer mit dem Gefühl, nichts richtig gerecht worden zu sein und immer alles parallel gemacht haben zu müssen.

Es hätte mir damals, Mitte 20, bestimmt gut getan, hätte ich gewusst, dass es (fast) allen Müttern so geht und vermutlich die Selbstzweifel und die Selbstkritik das schwerwiegendste an der Sache sind. Gerne erinnere ich mich (im Nachhinein!) auch daran, wie ich mit meinen mittlerweile 3 Töchtern Winterschuhe kaufen gehen wollte und am Ende die Kleinste hinter einem Schuhregal stillte, derweil auf die Mittlerste, die gerade einen Tobsuchtsanfall durchlebte, versuchte, beruhigend einzureden und zwischendurch der Größten erklärte, dass Absatzschuhe noch nichts für Grundschulkinder sind.

Mails auf dem Klo beantworten? No problem!

Ich kann mittlerweile hervorragend wichtige E-Mails auf dem Klo beantworten, parallel mit meiner Schwiegermutter am Telefon sprechen und die Nachrichten schauen und viele Dinge mehr, die ich früher nicht für möglich gehalten habe.

Ich möchte behaupten, dass ich mich in den letzten Jahren in meiner Fähigkeit Multitasking zu betreiben, mit steigender Kinderzahl, kontinuierlich verbessert habe. Und immer weniger daran verzweifele. Ich würde hier gerne schreiben, dass ich mittlerweile völlig im Reinen mit mir bin und kaum Selbstzweifel oder eine übersteigerte Anspruchshaltung an mich selbst habe. Da würde ich aber glatt lügen. Nach wir vor kann ich es immer noch schlecht aushalten, wenn 10 Dinge parallel auf mich einprasseln oder sich die Wäsche türmt, die Spülmaschine ausgeräumt werden muss, die Große am nächsten Tag eine Mathearbeit schreibt und die Kleine nach der fünften Runde Memory mault, dass ich nieeee mit ihr spiele.

Ich möchte eine entspannte Oma werden! So!

Aber ich bin mittlerweile definitiv mutig genug, das zuzugeben. Und manchmal ertappe ich mich dabei, wenn ich vor mich hinträume, irgendwann eine komplett entspannte Oma zu sein, die alle Zeit der Welt für ihre Enkelkinder hat und nicht mehr das Gefühl hat, alles auf einmal und fast perfekt hinbekommen zu müssen. Solange lebe ich, wie so viele hier mit mir, sehr gerne unperfekt diesen Mama-Wahnsinn. Und rufe euch zu:

Hey, Mädels, wir machen in so vielen Bereichen einen verdammt guten Job!

Stimmt, liebe Judith. Das sollten wir uns öfter sagen. Kennt ihr das auch, dass ihr manchmal schon morgens früh Stressperlen auf der Stirn habt?

Ich trete in einen Generalstreik, Mädels!
Kerstin Lüking Hebamme siebenfache Mama Großfamilie Expertin Mamablog Mamablogger Kiel Mutterkutter
Kerstin Lüking; 7fache Mama, Hebamme & Gründerin der Wochenbettbox.

Aber von vorne. Dieser Sommer hat für uns eine besondere Bedeutung: Unser siebtes und letztes Kind wird eingeschult! Jetzt ist endlich Schluss! Nach 23 Jahren Laternen basteln im Kindergarten, trete ich in einen Generalstreik! Ich will nicht mehr und bin froh, dass das endlich ein Ende hat.

Dazu kommt einfach eine Butterbrotdose mehr, die ich im morgendlichen Kampf mit Schulbroten, Apfelschnitzen, und liebevoll dekorierten schrumpeligen Bio-Möhrchen in die Boxen quetsche, während mein heiß ersehnter Kaffee durch die Maschine schnurrt. Zwei Stockwerke über mir: das Chaos pur! Irgendjemand hat schon wieder das Klo blockiert, die Haarbürste vertrödelt und alle suchen sie nach Socken und Klamotten! Hektisch wird nun endlich mal der Wäschetrockner entleert, da die erhoffte Lieblings-Jeans dort vermutet wurde. Aber: Fehlanzeige!

Chaos am Morgen: Da kann ich leider keine gepflegte Konversation führen.

Die Küchentür wird wütend aufgestoßen und ein vorwurfsvoller Blick geht in meine Richtung. „Wo ist meine Jeans?“ Gemütlich schleiche ich mich ins Kinderzimmer, mache die Kleiderschranktür auf und zeige stillschweigend meiner pubertierenden Tochter einen Stapel mit gefalteter Wäsche. Ein schwaches „da“ haucht mir aus dem Mund, da ich um 6.30 Uhr selten Wert auf gepflegte Konversation lege.

Müde schlurfe ich in die Küche um die Getränkeflaschen für die Brut zu füllen, die nach wenigen Geschirrspülmaschinengängen schon so aussehen wie die, die ich als Schulkind 1978 in Betrieb hatte: völlig verkalkt und deformiert. Dann: 7 Uhr! Finale: Alles rennt die Treppen runter. Es hört sich an wie eine Elefantenhorde, die deutsch spricht bzw. schreit.

7.03 Uhr: die Horde sitzt am Tisch und mümmelt Müsli, die erste Schüssel fällt um!! Schlagartig bin ich wach, da sich ein Milch-Rinnsal am Tischbein bildet. Mein Puls steigt sekündlich! „So eine Ferkelei“ brülle ich und renne nach der „Panik-Zewa-Rolle“
in die Küche. 7.10 Uhr: Ferkelei beseitigt, aber Kaffee kalt! Ich zähle die Minuten: 7.20 Uhr! Die Wohnungstür geht auf und 12 Beine bewegen sich nach draußen und schwingen sich auf ihre Fahrräder. Ich sehe hinterher und bin erleichtert: Ruhe, endlich! und aus der Ferne höre ich noch von meinem Sohn ein: „Mami, ich liebe dich“. Ich freue mich schon auf heute Nachmittag, wenn alle wieder zu Hause sind!


Liebe Kerstin, das hast du so schön gesagt. Und dieses Gefühl – das kennen wir Mamas doch sicherlich alle, oder? Zurück zum:

Chaos? Chaos!

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, spürte ich: dieser erste Schritt in die Mutterschaft, der ist groß. Heute, mit zwei Kindern in meinem Leben, führt der erste

Mamapsychologin Isabel Huttarsch Mamablog Mamablogger MutterKutter Dresden Autorin
Isabel Huttarsch, 2 Kinder, Mamapsychologin & Bloggerin; Foto: get-shot.de

Schritt aus dem Bett morgens nicht selten treffsicher in eine zermatschte Banane vom Vortag, die eines meiner Kinder in seiner unendlichen Liebe zu mir für mich bereit gelegt hat. Das Chaos ist im Lieferumfang enthalten. Ich hatte mich auf so vieles vorbereitet, um gerüstet zu sein für das, was das Mamasein so mit sich bringen würde. Ich hatte Stoffwindelsysteme studiert, mir diverse Tragetuchbindeweisen angeeignet und wusste, dass ich den bedürfnisorientierten Weg gehen möchte.

Was mich als plan- und ordnungsliebenden Menschen jedoch völlig unerwartet und anfänglich wirklich hart getroffen hat, war die Tatsache, dass unser erstes Kind seine Reise zu uns auf die Welt nicht alleine angetreten hatte. Das Chaos hatte es im Handgepäck mit dabei. Ohne Rückgaberecht. Im Nachhinein frage ich mich, wie es da nur reingepasst hat. Denn heute, als Zweifachmama, könnte ich mit unserem Alltagschaos ganze Frachtcontainer füllen.

Das Chaos macht es kompliziert.

Ich war schon immer ein Mensch, der Ordnung im Außen braucht, um innerlich klar werden zu können. Bevor ich Kinder hatte, da war das leicht. Ich konnte das weitestgehend steuern. Und mir ging es gut damit. Seit meine Kinder auf der Welt sind, finde ich mich nicht selten in einem inneren Nebel wieder. Weder das konmari-Prinzip noch das Führen unzähliger To-Do-Listen vermögen es, unsere Wohnung dauerhaft so chaosfrei zu halten, dass ich mich durchweg klar spüren kann. Es gibt diese Momente, aber sie sind selten geworden. Und es fällt mir zugegebenermaßen immer noch schwer, zu akzeptieren, dass mich meine Idealvorstellung eines zu allen Zeiten ordentlichen Zuhauses im Alltag mehr behindert als unterstützt.

Und wenn ich ehrlich bin, dann fühlt es sich inzwischen an manchen Tagen fast wie eine Heldentat an, es am späten Abend noch gewuppt zu bekommen, die Spülmaschine zum Laufen zu bringen, eine letzte Wäsche aufzuhängen und meinem Partner gute Nacht zu sagen, nachdem die Kinder gegen halb zehn endlich beide eingeschlafen sind. Und auch nach vier Jahren Mutterschaft fühlt es sich für mich noch ironisch an, wenn mein Partner mir im Angesicht unzähliger schlafloser Nächte ebenfalls eine „gute Nacht“ wünscht, sich umdreht, und am Morgen frisch erholt erwacht.

Das Chaos ist doch ganz ok.

Mama sein, das ist tatsächlich die größte Herausforderung meines bisherigen Lebens. Wenn ich mir als Psychologin dabei selbst einen Rat mit auf meinen Weg geben könnte, dann wäre es wohl der, nie den Kontakt zu mir selbst zu verlieren. Egal, wie dicht der Nebel werden wird. Ja, mir gefällt es nicht, wenn die zermatschte Banane vor dem Bett, der erdige Rechen im Bett und mein immer noch ungelesenes Buch unter dem Bett liegt. Und ja, ich darf versuchen, dem Chaos Einhalt zu gebieten. Aber nein, ich muss mich nicht darüber definieren. Ich darf mich annehmen in allem, was ich bin. Und es liegt in meiner Verantwortung, mir Räume zu schaffen, um den Nebel ab und an zu lichten. Dabei hilft mir die Erkenntnis, dass alles, was ich für mich tue, letztendlich auch meinen Kindern zu Gute
kommt.

Und weisst du was? Wenn ich an die kommenden Jahre denke, dann beschleicht mich das wehmütige Gefühl, dass mit der Ordnung auch die Stille unweigerlich wieder einkehren wird. Aus dieser Stille werde ich schöpfen können. Aber ich bin mir sicher, dass ich mir in so manchen stillen Momenten das laute, bunte, vertraute Chaos zurück wünschen werde. Und so versuche ich heute, das unvermeidbare Chaos als das zu sehen, was es im positiven Sinne ist: Ausdruck purer Lebendigkeit.


Na, Mädels! Erkennt ihr euch wieder? Schreibt uns gerne in den Kommentaren, wie euer Daily Chaos aussieht. Wir freuen uns über INspiration!

Ihr wollt wissen, wer wir sind? Dann lest doch mal hier!

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