Brust raus – einfach und lustig gesagt, aber…Für Sandra war das Stillen in der Öffentlichkeit erst einmal nicht ohne.

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Wieso sehe ich nie Frauen in der Öffentlichkeit stillen? Wo sind sie alle, die modernen Muttis, die alle wieder stillen ? Stillen ist doch wieder IN und das Beste für das Baby – oder etwa nicht ?
Das erste Mal „draußen“ Stillen war für mich dann auch sehr aufregend. Treffen mit den MutterKutter-Mädels in der Campussuite in der Holtenauer Straße in Kiel. OK, kurz abwägen, ob ich vielleicht doch das Auto so parke, dass ich zum Stillen schnell rein springen kann. Brust raus?! Unmöglich in der Holtenauer.

Einfach so auf dem Stuhl sitzen und stillen? Brust raus? Erstmal unmöglich.

Irgendwann ist immer das erste Mal, also muss ich da jetzt durch. Ich bin als Erste da und suche nach einem geeigneten Tisch, am Besten mit Strandkorb. Oh, das wird schwer, denke ich. Das Wetter ist super, alle wollen draußen sitzen und die Sonne genießen. Ach ja, Sonne, die sollen die kleinen Babys ja auch nicht ins Gesicht bekommen. Na gut, dann lege ich mich also auf die Lauer und warte auf einen geeigneten Platz. Der erste wird frei: Oh schade, ohne Strandkorb. Einfach so auf dem Stuhl sitzen und stillen? Nein, unmöglich…. Ein paar Minuten später kommt dann die Erlösung: ein Tisch im Halbschatten mit Strandkorb. Yeah, das ist unser Tisch!! Ich schiebe schnell hin uns setze mich direkt in Position, denn es dauert bestimmt nicht mehr lange bis Julius wieder seine Ration einfordern wird. Ich warte ganz entspannt auf die Mädels, als plötzlich ein Kunde von mir auftaucht, nett grüßt und sich mir direkt gegenüber an den Tisch setzt. Och nee, denke ich, wie soll ich denn nun stillen?! Als die Mädels endlich auftauchen und auch Julius sich meldet, lege ich dann einfach los. Mein Herz schlägt etwas schneller und ich bin doch ein wenig nervös und frage mich, ob ich schiefe oder neugierige Blicke ernte… Aber: nichts dergleichen geschieht. Niemanden interessierte auch nur im Geringsten, was ich da tue. Ich bezweifle, dass es überhaupt jemand mitgekriegt hat. Wieso habe ich mir bloß so einen Kopf darum gemacht?

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Wenn „ das erste Mal“ überstanden ist, ist es einfacher

Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass es keinen Ort gibt, an dem ich nicht gestillt habe. Sei es auf diversen Banken und Strandkörben auf Sylt im Urlaub, in unzähligen Cafés und Restaurants, auf dem Kinderspielplatz im Freibad in der Holzhütte oder im Zug usw. Wenn „ das erste Mal“ überstanden ist, dann ist alles ganz einfach. Trotzdem ist es mir auch heute noch manchmal ein wenig unangenehm und ich bin immer noch darauf gefasst, auch mal schiefe Blicke oder Bemerkungen zu bekommen, was mir aber bis jetzt nie passiert ist. Ich denke, es ist immer kein Problem, wenn man vorher nett fragt oder diskret vorgeht, indem man mit einem Tuch das Baby und die Brust etwas verdeckt.


Was habt ihr für Erfahrungen mit dem Stillen in der Öffentlichkeit gemacht?

4 thoughts on “Brust raus?! Die Sache mit dem öffentlichen Stillen”

  1. Mir ging es anfangs ähnlich wie dir. Ich habe in der ersten Zeit teilweise sogar nur kurze Ausflüge gemacht, um schnell genug wieder in den eigenen vier Wänden sein zu können, wenn der Kleine Hunger kriegt, weil ich mir gar nicht vorstellen konnte, in der Öffentlichkeit zu stillen.
    Mittlerweile ist der Kleine fast ein halbes Jahr alt und ich stille auch überall. Bisher war das nie ein Problem, bis auf ein Mal, als mir eine ältere Frau mit Zeichensprache zu verstehen gegeben hat, dass sie es unmöglich, fast schon ekelhaft, findet, dass ich im Eiscafé stille. Dabei stille ich immer sehr diskret, oft mit Spucktuch als Sichtschutz. Leider bin ich nicht schlagfertig genug, um in solchen Situationen gut zu reagieren, aber man sollte sich auf keinen Fall von solchen Menschen blöd anmachen lassen oder gar das öffentliche Stillen wieder sein lassen!

  2. Hallo,
    Der Artikel hat mich echt überrascht, weil er so gar nicht meine Erfahrungen und meine Einstellung widerspiegelt. Ich würde nie Nie auf die Idee kommen, aus Rücksicht auf andere Anwesende beim Stillen meine Brust zu verstecken. Oder vorher Irgendwie Bescheid zu sagen, oder mich womöglich dafür zu entschuldigen. Klar verhalte ich mich beim Stillen angemessen diskret und sitze nur so viel brustfrei herum, wie notwendig. Mir gehts ja nicht um Provokation.
    Will sagen, keine falsche Scham!

    1. Liebe Julia, herzlichen Dank für deine Worte, deine Ehrlichkeit und deinen Denkanstoß!
      Also, ich erinnere mich noch gut an den Moment, über den Sandra damals geschrieben hat. Ich war nämlich selbst Anfangs – beim ersten Kind – unsicher. Einfach, weil es auch für mich komisch war, die „Brust auszupacken“. Dabei ging es in erster Linie gar nicht darum, was andere denken könnten, sondern ganz allein um mich. Eine neue Situation, eine Sache, die ich eigentlich bis dato lieber alleine zuhause privat gemacht habe. Und so habe ich auch Sandra verstanden. Jeder geht damit anders um, aber dass Stillen eine Sache ist, die wir Frauen lieber alleine machen sollten – das ist gang gegen unsere Einstellung. Jede Frau soll ihr Kind dort füttern, wo es Hunger hat. Ganz klar!
      Herzliche Grüße von Doro

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