Ausgegrenzt von der Clique: Was hilft, wenn unser Kind allein ist?
Wir geben euch Tipps, um entspannt(er) durch diese Zeit zu kommen.
Plötzlich ausgegrenzt, einfach ignoriert. Und genau das schmerzt: Wie können wir unseren Töchtern in dieser Situation helfen?
Ausgegrenzt und allein gelassen:
Was hilft unseren Töchtern, wenn ihre Freundinnen sie im Stich lassen?
Und zwar dann, wenn die eigenen – gestern noch „besten“ Freundinnen – plötzlich nichts mehr von unserer Tochter wissen wollen. Wenn sie heute stehen gelassen werden, wobei doch gestern scheinbar noch alles super war. Gestern gemeinsam gelacht, heute einsame Tränen. Das tut unseren Kindern verdammt weh. Und passiert unserer Erfahrung nach oft schon in der Grundschulzeit. Auf dem Schulhof – dort, wo Freundschaften beginnen und auch ganz plötzlich enden. Auf einmal allein in der Pause. Tränen, Ängste und Traurigkeit statt Unbeschwertheit, Fröhlichkeit und Lachen.
Anzeige* Dieser Artikel ist in Kooperation mit dem Schweizer Magazin für Mädchen (und dem Rest der Welt) KALEIO entstanden. Wir lieben das KALEIOMag – denn es widmet sich allen wichtigen Themen, mit denen sich Mädchen zwischen 8-13 Jahren beschäftigen: dem Leben, der Gesellschaft, Mobbing, Social Media, Schule, Berufe, Zukunft, Chancen u.v.m.
KALEIO empowert, versteht, erklärt – und ist eine Art liebevolle und empathische Freundin, die unseren Kindern auf Augenhöhe begegnet. Und jetzt haben die Macherinnen von KALEIO ein Buch zum Thema Freundschaft herausgebracht. Mehr dazu und einen exklusiven Code bekommt ihr am Ende dieses Artikels.

Die Gründe? Für uns Erwachsene manchmal schier unergründlich. Oder anders: oft erstmal so gar nicht klar, total fies oder oberflächlich. An falscher Stelle gelacht, die falschen Klamotten getragen, das falsche Hobby, ein falsches Wort, der falsche Wohnort, zu selbstbewusst, zu schüchtern, zu „gut“ oder „schlecht“ in der Schule, zu schnell traurig, beleidigt oder „eingeschnappt“ – manchmal ist es Neid, manchmal Unsicherheit(en), manchmal zu unterschiedliche Lebenswelten, oft auch Oberflächlichkeiten, wie Kleidung oder Körper. Oder eine familiäre Lebenssituation, mit der die anderen so gar nichts anfangen können. Anstatt „aufzufangen“ wird ausgegrenzt.
Und das trifft nicht nur unsere Töchter, sondern meistens auch uns Eltern knallhart.
Als Eltern leiden wir oft extrem mit!
Ich, Doro, weiß von Eltern, die plötzlich selbst wieder Kind oder Teenie sind. Die diese Situation extrem belastet, weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wenn das eigene Kind ausgegrenzt oder ignoriert wird – ja, dann fühlt sich das auch schon mal so an, als ob wir diese Erfahrungen selbst (noch einmal) machen würden.
Wir leiden also mit und wissen nicht so recht, wie wir helfen können. Und nun? Was können wir machen? Fakt ist: Wir können ja schlecht die Freundschaft(en) für unser Kind übernehmen, sie auf den Schulhof, den Sport oder den allgemeinen nachmittäglichen Meetingort begleiten, um das Ding mal eben selbst mit den anderen Kids zu klären. Auch wenn wir das vielleicht noch so gerne tun würden. Und auch, wenn es Eltern gibt, die genau das machen: andere Kinder direkt ansprechen. Nur: Meistens ist das, unsere Meinung, kontraproduktiv. Die AdressatInnen sollten nicht die anderen Kids oder Teenies sein, sondern andere Erwachsene. Auch, um nicht noch mehr Druck auf die Situation zu geben. Aber dazu gleich mehr.
Dr. med. Judith Bildau ist Gynäkologin, Medfluencerin und hat fünf Töchter (3 eigene, 2 geschenkte). Sie hat schon erfolgreich Bücher rund um das Thema „Mädchen-Pubertät“ geschrieben. Mit euch teilt Judith nun ihre Erfahrungen und erzählt euch, warum es nun so wichtig ist, dass wir unsere Kinder in ihrem Schmerz „sehen“ und sie liebevoll begleiten.
Kurzer Disclaimer: Dieser Artikel beinhaltet weder psychologischen noch pädagogischen Rat.
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Mehr InformationenAusgegrenzt – und jetzt?
„Gespräche mit anderen Eltern können sinnvoll sein, aber immer mit Fingerspitzengefühl, um die Situation für das eigene Kind nicht zu verschärfen.“
Liebe Judith, habe ich nur den Eindruck oder teilst du den auch… Beim Thema Freundschaft geht es früher zur Sache als bei uns in der Jugend. Bei den Mädchen gibt es oft eine Anführerin, manchmal schon in der Grundschule. Und die anderen spielen nach deren Regeln oder eben nicht. Wenn nicht, dann wird in manchen Fällen geredet, aber es entwickelt sich oft auch eine ungesunde Dynamik, bei der ein Kind ausgeschlossen wird…

Nein, du täuschst dich nicht – ich beobachte das ganz ähnlich. Dynamiken wie Macht, Zugehörigkeit und auch Ausgrenzung entstehen heute oft sehr früh. Gerade in Mädchengruppen gibt es nicht selten klare Hierarchien, und Kinder spüren sehr schnell, wo ihr Platz ist – oder eben auch, wenn sie anfangen, diesen zu verlieren bzw. ausgeschlossen werden. Das kann für ein Kind unglaublich belastend sein.
Was können wir als Eltern tun, wenn das Kind leidet?
Zuerst einmal: Da sein und ernst nehmen. Nicht vorschnell relativieren und gut gemeinte Sätze raushauen wie „Das ist doch nicht so schlimm!“, sondern wirklich zuhören und die Gefühle spiegeln. Kinder brauchen das Gefühl „Ich werde gesehen, ich bin nicht allein.“ Gleichzeitig können wir helfen, die Situation einzuordnen: Was genau ist passiert? Welche Rolle hat mein Kind? Welche Handlungsspielräume gibt es?
Wichtig ist auch, das Kind zu stärken. Natürlich nicht nur in dieser konkreten Situation, sondern grundsätzlich. Also: Selbstwert, soziale Kompetenzen, auch das Gefühl, Grenzen setzen zu dürfen.
„Je älter die Kinder werden, desto zurückhaltender wäre ich.“
In welchen Fällen hältst du Gespräche mit anderen Eltern für sinnvoll, um von außen die Wogen zu glätten? Und wenn: in welchem Alter und in welchem Maße?
Gespräche mit anderen Eltern können sinnvoll sein, aber immer mit Fingerspitzengefühl, um die Situation für das eigene Kind nicht zu verschärfen.
Ich würde das vor allem im Grundschulalter in Betracht ziehen, wenn die Kinder noch stärker begleitet werden und Konflikte oft noch nicht alleine lösen können. Wichtig ist dabei die Haltung: Nicht anklagend, sondern unterstützend. Wie können die anderen Eltern zum Beispiel fragen „Wie können wir gemeinsam schauen, dass es für die Kinder wieder gut wird?“
Je älter die Kinder werden, desto zurückhaltender wäre ich. Ab einem gewissen Alter (spätestens ab der weiterführenden Schule) sollten wir eher im Hintergrund bleiben und unsere Kinder darin unterstützen, ihre Konflikte selbst zu klären – es sei denn, es geht wirklich um anhaltende Ausgrenzung oder Mobbing. Dann braucht es nicht nur elterliche Unterstützung, sondern professionelle. Mobbing ist niemals nur „das Problem“ eines einzelnen Kindes, sondern ein strukturelles.
Ausgegrenzt in der Freundschaft. Judith sagt:
„Freundschaft ist kein Ort, an dem man sich ständig beweisen oder anpassen muss.“

Wann würdest du deinen Kindern dazu raten, sich neue FreundInnen zu suchen? Bis wann sagst du: Bitte kläre es und ab wann ist für dich „Schluss“?
Ich finde, es ist wichtig, Kindern bis zu einem gewissen Punkt zuzutrauen, dass sie Konflikte klären können. Eltern sollten sicherlich nicht bei jeder Meinungsverschiedenheit, bei jedem Streit eingreifen. Denn Freundschaft bedeutet auch, Reibung auszuhalten, Missverständnisse anzusprechen und Lösungen zu finden.
Aber: Wenn ein Kind dauerhaft leidet, sich klein macht, immer wieder ausgeschlossen wird oder Angst vor der Gruppe entwickelt, dann ist für mich ein Punkt erreicht, an dem ich klar sage: „Du darfst dir auch andere Menschen suchen, die dir guttun!“
Freundschaft ist kein Ort, an dem man sich ständig beweisen oder anpassen muss.
Was macht für dich eine echte und „gute“ Freundschaft aus, bei der alle glücklich sind?
Für mich ist es eine Verbindung, in der ein Kind so sein darf, wie es ist ohne Angst vor Ablehnung.
Wo es gegenseitigen Respekt gibt, ein echtes Interesse am anderen, und auch die Fähigkeit, Konflikte zu überstehen, ohne dass gleich alles infrage steht.
Kurz gesagt: Eine gute Freundschaft fühlt sich nicht wie ein Kampf um Zugehörigkeit an, sondern wie ein sicherer Ort.
Freundschaft darf sich gut anfühlen!
Vielen Dank, liebe Judith! Genau, Freundschaft darf sich gut anfühlen. Freundschaft sollte Streit aushalten. Genauso unterschiedliche Positionen, Meinungen, Sichtweisen, Lebensrealitäten, unterschiedliche Geschmäcker. Im Zweifel supportet eure Kinder dabei, neue FreundInnen zu finden. In der Grundschule auch mal andere Kids zu fragen, ob sie „mitspielen“ dürfen. Oft helfen auch neue Hobbys, um neue Gleichaltrige kennenzulernen – auch im Teenie-Alter.
Wir empfinden es auch als wichtig, das Verhalten des eigenen Kindes – am besten gemeinsam mit dem Kind – zu reflektieren. Um auch Antworten auf folgende Fragen zu finden: An welchen Stellen könnten vielleicht Missverständnisse entstanden sein? Hat mein Kind sich eventuell auch der Clique aus verschiedenen Gründen „entzogen“? Und besteht die Möglichkeit, dass mein Kind der Freundin bzw. den Freundinnen sagt, wie es ihm geht? Manchmal lassen sich Situationen lösen, indem das eigene Kind einen Weg sucht. Sich vielleicht mal allein mit der „Anführerin“ verabredet, Dinge direkt benennt. Natürlich gehört dazu viel, vor allem viel Mut. Manchmal finden wir den selbst als Erwachsene nicht – und das ist auch total verständlich.
Falls eure Tochter das schaffen sollte – folgender Gedanke für so eine Verabredung: Manchmal entsteht eine Gesamtsituation aus einer Zweierkonstellation heraus. Und im 1:1 lassen sich unserer Erfahrung nach öfter Probleme lösen als in einer Gruppe, in der eben diese ungesunde Dynamik entstehen kann oder das strukturelle Problem vorhanden ist, von dem Judith gesprochen.
Sprecht die Dinge direkt für eure Töchter an.
Wir raten euch, wenn eure Kinder leiden und gemobbt werden: Sprecht die Dinge direkt für eure Töchter an. Mit den jeweiligen Eltern – und hier geht es, wie Judith auch betont, nicht darum, ihnen zu erzählen, wie „böse“ ihr Kind ist. Nein, es geht darum, einen gemeinsamen Weg zu finden, um die Freundschaft eventuell gemeinsam zu stärken. Ein nächster Schritt wäre aus unserer Sicht ein Gespräch mit den Lehrkräften. Denn die können dann ein Auge in der Schulzeit auf die Situation haben. Oft ist das auch ein Thema für den Klassenrat oder für die SchulsozialarbeiterInnen. Falls euer Kind dadurch Ängste oder andere Symptome entwickelt: scheut nicht den Gang zur Kinderärztin, um darüber zu sprechen, oder sucht euch therapeutische Unterstützung. Bei Bedrohung, Erpressung oder psychischer & körperlicher Gewalt: geht zur Polizei und erstattet Anzeige.
Denn Mobbing kann einen Menschen für ein Leben prägen. Hier findet ihr u.a. Hilfe:
♥ Nummer gegen Kummer: (Kinder- & Jugendtelefon), Online-Beratung & Elterntelefon
♦ Juuuport: Hilfe bei Cybermobbing und anderen Problemen im Netz
♥ Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung berät Kinder & Jugendliche, sowie Eltern online
Gut befreundet. Ein Ratgeber über Freundschaft, Streit und Einsamkeit
Der KALEIO-Ratgeber, der Mädchen entlastet, stärkt und begleitet.
Als Eltern wissen wir: Freundschaften unter Mädchen sind wunderbar – und manchmal ganz schön schwierig. Wir haben darüber gesprochen. Vor allem dann, wenn das Kind ausgegrenzt oder sogar gemobbt wird. Dieser wunderbare KALEIO-Ratgeber hilft euren Töchtern (und allen anderen auch), Freundinnen und Freunde zu finden, respektvoll miteinander umzugehen und zu erkennen, was in Freundschaften wirklich guttut.
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