Ich sitze gerade entspannt auf dem Sofa, habe meditiert und die Sonne scheint mir durchs Fenster ins Gesicht. Sie kitzelt sanft meine Nase, als wollte sie sagen: „Schau mal, wie schön die Welt ist.“ Und vor allem: „Schau mal, wie gut dir diese kurze Pause tut“ Was für ein wundervoller Augenblick. Diese Momente sind es, die mir Energie geben, die mich aufladen. Momente, in denen ich völlig im Reinen bin mit der Welt und mit MIR. Wie oft sind wir das im Alltag wirklich?

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Wie sehr liebst du dich?

„Auf einer Skala von 1-10, wie sehr liebst du dich selber?“ Das ist meine erste und zentrale Frage in meinen Selbstliebe-Seminaren und es ist sehr spannend, wie die Menschen reagieren. Meist kommen die Antworten zögerlich, so als ob man so eine Frage doch bitte nicht stellen könne. Werte zwischen 6 und 8 sind so das Mittelmaß, wobei ich mir immer noch nicht ganz sicher bin, was davon „soziale Erwünschtheit“ ist und welchen Wert die Teilnehmer sich wirklich glauben. Ich befürchte, er liegt noch weit darunter.

Auf meinen Seminaren hat noch keiner mit einer 10 geantwortet. Ich frage dann, warum keine 10? Dann kommen vielfältige Antworten, meist geht es um Äußerlichkeiten, vermeintliche Charakterschwächen oder Verhaltensweisen, die die Menschen an sich nicht mögen. Die wohl häufigste Antwort ist das Gefühl, nicht vollkommen, nicht perfekt zu sein. „Ich finde ja nicht alles toll, was ich mache.“, brachte es eine Teilnehmerin mal auf den Punkt.

Ich bin nicht perfekt

Ich schließe dann gerne die Frage an: „Auf einer Skala von 1-10, wie sehr liebt ihr eure Kinder / euren Partner / engste Freunde?“. Gerade bei Kindern sind die Reaktionen eindeutig. Alle antworten ohne zu zögern: „10“ „Wenn es das gäbe, auch ne 12.“

Dann ist es immer sehr spannend, wenn ich weiter frage: „Sind eure Kinder perfekt? Findet ihr jedes Verhalten von ihnen in jeder Situation angemessen und richtig? Sind sie äußerlich vollkommen? Haben sie keine „Charakterschwächen“ oder Momente, in denen ihr sie zwar liebt, aber ihr sie gerade „zum Mond schießen“ könntet?“

Nein, perfekt ist keiner und das ist auch nicht das Ziel. Trotz allem lieben wir diese Kinder / den Partner/ die Freunde. Wir lieben sie aus ganzem Herzen, auch wenn sie sich nicht immer so verhalten, wie wir uns das wünschen. Wir lieben sie, auch wenn wir sauer auf sie sind, sie uns wahnsinnig machen oder wir uns ein anderes Verhalten wünschen würden.
Wir lieben bedingungslos!

Wir würden die 10 von der Skala aus der Anfangsfrage höchst selten in Frage stellen. Wir knüpfen die Intensität der Liebe nicht an Verhalten, Charaktereigenschaften oder Äußerlichkeiten.

Das ist der Kern von bedingungsloser Liebe

Bei uns selber tun wir oft genau das Gegenteil. Wir lieben uns nicht bedingungslos.

Wenn ich mich gut verhalte, wenn ich alles schaffe, was ich mir vornehme, dann finde ich mich gut. Wenn ich die drei Kilo abnehme dann liebe ich mich. Wenn ich den Charakterzug mehr zeige und dafür den anderen weniger, dann bin ich zufrieden mit mir. Wenn mein Verhalten immer tadellos ist, dann bin ich ok.

Wir koppeln die Intensität der Liebe zu uns selber an Bedingungen.

Wir setzen Maßstäbe bei uns selber, die wir anderen nie auferlegen würden.

Wir sprechen mit uns, wie wir mit anderen nie sprechen würden:

„Das hat nicht funktioniert. Ich habe nicht funktioniert, ich habe nicht so agiert, wie ich wollte.“

Wir hetzen uns durch den Tag und am Ende des Tages sind wir sauer auf uns selber, weil nicht alles so perfekt geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir setzen uns selber unerreichbare Ziele, um einen Grund zu haben, sauer auf uns zu sein. Wir sehen unsere Charakterschwächen andauernd, anstatt uns so liebevoll zu betrachten, wie wir das mit unseren Kindern tun.

Ich habe da noch eine Frage, die mir die Augen geöffnet hat:

Wie oft möchtest du von anderen Menschen durch Worte oder Gesten hören und merken, dass er/ sie dich liebt?

Jeder freut sich über ein Lob, eine kleine Aufmerksamkeit, ein zartes „Ich hab dich gern“, eine Aufmunterung, ein lobendes Nicken, ein Lächeln, einen wilden Kuss, eine kurze Umarmung, einen intensiven Blick in die Augen und ein ehrlich gesagtes „Ich liebe dich“.

Am liebsten würden wir solche „Liebeseinheiten“ doch jeden Tag bekommen, von unserem Partner, den Kindern, Familie und Freunden. Und wenn diese Wertschätzung über mehrere Tage oder gar Wochen und Monate ausbleiben, dann merken wir, wie es uns schlechter und schlechter geht.

Wir sind wie eine zarte Pflanze, die ohne Sonne und Wasser irgendwann eingeht

Doch wie oft gießen wir uns eigentlich selber? Wie oft stellen wir uns ins Licht?

Wie oft geben wir uns selber die Wertschätzung, die wir von anderen so sehr erwarten?

Wann hast du dich zuletzt selber gelobt, dir aufmunternd zugenickt, dich mit liebevollen Augen angelächelt und dir „Ich liebe mich“ gesagt?

Wann hast du dir das letzte Mal gut getan? Dir Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt? Wann warst du das letzte Mal aufrichtig liebevoll zu dir und deinem Körper?

Ich selber habe gemerkt, dass ich es viel mehr und häufiger von anderen erwarte, als ich es selber für mich tue. Nun sitze ich hier auf meinem Sofa und nehme mir mal die Zeit, um ganz bei mir zu sein. Um mich zu spüren, eine Verbindung zu mir aufzubauen. Ohne schlechtes Gewissen oder Stimmen im Kopf, die mich ermahnen, etwas zu schaffen und zu machen.
Einfach nur sein. Bei mir sein, mir gut tun, mich wahrnehmen. Das sind die Momente, in denen ich mich selber liebevoll betrachte, auf mich höre, schaue, was mir wirklich gut tut.

Was tut dir gut?

Ich mache mit meinen Seminarteilnehmern gerne eine Liste: „Was tut dir selber gut?“ Das sind meist Kleinigkeiten, die nicht viel Zeit oder Geld in Anspruch nehmen. Es sind Dinge, die wir alle in den Alltag integrieren können. Wenn wir nur wollen.
Und ich will. Ich mache nun jeden Tag bewusst etwas davon, ein Bad nehmen, meditieren, ein Buch lesen, 10 Minuten auf der Couch, einen kurzen Mittagsschlaf. Ich nehme mir bewusst Zeit für mich und meine Bedürfnisse.

Ich möchte dich einladen, einmal für dich zu schauen, was dir gut tut.

Denn erst, wenn wir wirklich liebevoll mit uns selber sind, können wir die Liebe von anderen Menschen auch annehmen. Wenn wir uns selber Liebe schenken, können wir auch viel liebevoller mit anderen Menschen umgehen.

Ich möchte die Liebe zu mir selbst nicht an Bedingungen knüpfen, an das was ich bin, kann oder nicht kann oder an das, was ich tue oder wie ich aussehe. Ich kultiviere die bedingungslose Liebe zu mir Tag für Tag, indem ich mir selber guttue, mich liebevoll behandle und meinen Fokus auf das lenke, was ich an mir liebenswert finde.

Wir pflegen unsere engsten Beziehungen zu unseren Kindern oder unserem Partner. Wir kümmern uns um die Beziehungen zu Menschen, die uns wichtig sind. Wir geben unserem Partner, unseren Kindern und unseren Freunden und Familie Liebe, Aufmerksamkeit und zeigen ihnen, dass wir sie gern haben. Wir gießen die Pflanzen um uns herum regelmäßig, denn tun wir dies nicht, gehen sie ein.

Beziehungen leiden ohne Pflege

Eine Zeit lang geht das vielleicht, aber über kurz oder lang gehen die Pflanzen ohne Wasser und Licht ein.

Fangen wir also an, uns um unsere eigene Pflanze genauso liebevoll zu kümmern. Denn sie ist wahrscheinlich die zarteste von allen.

Denke daran:

Der einzige Mensch, den du dein gesamtes Leben bei dir hast, bist du selber!

Der einzige Mensch, den du dein gesamtes Leben bei dir hast, bist du selber!, Mutterkutter, Claudia Engel, die Glückstrainerin, Glück in Worten

 

Teil 1 dieser Selbstliebe-Reihe findet ihr hier


Dieser Artikel ist zuerst auf www.glueckinworten.de erschienen.

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