Wir kennen sie doch alle, die allabendlichen Tricks unserer Kids, um die Schlafenszeit möglichst weit nach hinten hinauszuschieben.

„Mamaaa, ich habe Durst.“ 

Mama, ich will ne Banane“.

„Neeeeein! Ich will noch nicht schlafen.“

Es gab auch viele von den Abenden, an denen ich am Bett meiner Tochter saß, völlig genervt und mich fragte, ob das nun die neue Definition von Feierabend ist. Im Moment geht es bei uns gut mit dem ins Bett bringen, einfach, weil Anni mittags nicht mehr schläft. Aber wehe, wir fahren Auto und sie ratzt dort um 16 Uhr ein. Und auch nur für zehn Minuten. Arghs! Hallo, ding dong – dann ist es neun-halb zehn! Und ich mit meinem Latein am Ende. Kennt ihr das auch?

Für solche Abende, nein, vielmehr für das Gedankenkarussell in meinem Kopf, das dann entsteht..

„Du könntest nun aufräumen, einen Blogartikel vorbereiten, Mails checken. Mist. Was soll das?“

..hat Dr. Daniela Heidtmann eine tolle Lösung! Und zwar ein Buch: „Its Buddha Time.“ Worum geht es? Darum, wie wir unsere Kinder mit Yoga glücklich ins Bett bringen und die anschließende Stille (für uns) genießen können. Was auch bedeutet: Raus aus dem To-Do-Hamsterrad. Und rein in die Stille. Herrlich!

Dr. Daniela Heidtmann Yoga It´s Buddha Time Buch Autorin Mama Dreifachmama Mannheim Yoga Meditation MutterKutter Interview

Ich freue mich sehr, dass mich Danielas Verlag kontaktiert hat, um zu fragen, ob ich dieses Buch vorstellen möchte. Ja! Und nicht nur das! Ich möchte euch vor allem auch Daniela vorstellen. Sie ist Yoga- und Meditationslehrerin. Dreifachmama. Eine tolle Frau, die es selbst über hunderte Kilometer geschafft hat, mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und mir klar zu machen: Ein bisschen Ruhe für mich? Das ist doch gar kein Problem.

Viel Spaß beim Lesen!


 Liebe Daniela, könntest du dich bitte kurz unseren Leserinnen vorstellen?

Namasté, liebe Leserinnen, mein Name ist Daniela. Ich bin seit 16 Jahren leidenschaftliche Yoga- und Meditationslehrerin, die sich in Achtsamkeit übt. Vor zehn Jahren habe ich von heute auf morgen meinen Beruf als Kommunikationswissenschaftlerin an den Nagel gehängt und bin seither absolut glücklich in der Selbständigkeit gelandet.

Nun betreibe ich eine kleine aber feine Yogaschule, bilde Yogalehrer aus und schreibe Bücher – über achtsames Yoga in der Familie und mit dem Partner. Ich liebe Vietnam und Thailand, Buddhas Weisheiten, Pferdereiten ohne Sattel und Zügel, das Leben und meine Familie.

Zusammen mit meinem Mann und unseren drei Kindern im Alter zwischen Kindergarten und Pubertät (5, 12,16) sowie zwei netten Ponys wohne ich am grünen Rand Mannheims.

Mama von drei Kindern…Struktur ist da alles. Zumindest wäre mir persönlich damit oft geholfen, denn mit Baby & Kleinkind gehe ich manches Mal im Chaos unter, zum Beispiel: Kochen auf die letzte Minute, Waschen, weil letzte Unterhose in der Hand und das akademische Viertel lasse ich im Moment bei Freunden meistens weit hinter mir. Hölle. Wie schaffst du es, in deinem Alltag nicht unterzugehen? Wie organisierst du dich?

„Genau Doro, Struktur ist alles!“ hätte ich früher voller Überzeugung gesagt: Stimmt auch ein Stück weit. Doch es hat mich in meinem Alltag mit den Kindern eine Zeit lang recht
unglücklich gemacht, tagtäglich meine Struktur abzuarbeiten, um irgendwie im Chaos mit der Nase gerade noch so über Wasser zu bleiben. Lief alles irgendwie, nur das Lächeln fehlte.

Man muss – das habe ich in einem langen Prozess mit den Kindern gelernt – die Struktur „würzen“: mit Liebe und Achtsamkeit. Seit ich die Dinge, die getan werden müssen, wie aufräumen, waschen, wieder aufräumen, kochen, Küche wieder aufräumen, Kinder anziehen, Hausaufgaben anschauen etc. anders greife, geht es uns allen richtig gut. Ich versuche, Buddhas Rat zu beherzigen und weniger zwischen „Das-mag-ich“, also mach ich es gern und „Das-mag-ich-nicht“, also vermeide ich es, zu pendeln.

So versuche ich, möglichst alles, was zu tun ist, mit einer gelassenen Aufmerksamkeit zu erleben und mich dabei immer wieder zu entspannen. Das, was jetzt ist, mit Offenheit anzunehmen. Gelingt mittlerweile sehr oft, aber nicht immer – ich übe ja noch …

Was haben dich deine Kinder gelehrt? Eine Sache ist bestimmt die Achtsamkeit, oder?

Ja. Genau. Achtsamkeit ist das allergrößte, was mich meine Kinder gelehrt haben. Sie habe ich wirklich nicht in der Yogaausbildung erlernt, obwohl sie dort ein großes Thema ist, sondern Dank der Kinder! In der Praxis, im täglichen Leben.

Ich hatte schon immer einen recht geregelten Tagesablauf. Morgens und abends zu einer festen Uhrzeit die Pferde versorgen zu müssen, bedeutet, wenn man Kinder hat, sie bei Wind und Wetter mitzunehmen, in Gummistiefel und Matschhosen zu stecken, vorher gefrühstückt zu haben … als unser Großer dann im Kindergarten war, habe ich das alles mit seiner Schwester erledigt, nachdem der Große pünktlich in seiner Gruppe angekommen war … von den Pferden zurück steht dann jedoch noch das Frühstückschaos da, die dreckigen Gummistiefel, die ungewaschenen „Pferde-Fingerchen“ der Kleinsten und natürlich bekommen alle bald Hunger auf Mittagessen, und schlechte Laune, wenn es zu spät fertig ist. Mein Yogakurs für den Abend will aber auch vorbereitet sein … Ohne meine Achtsamkeitspraxis wäre ich da verloren gewesen.

Inwiefern agierst du achtsam in deinem Alltag? Auch in deiner Rolle als Mama?

Das große Geschenk der Achtsamkeit ist, dass ich eben nicht mehr eine Struktur abarbeite und gehetzt Aufgaben erledige, sondern zwischendurch immer wieder stoppe. Innehalte. Mich, egal was ich gerade tue, bewusst entspanne, ruhig atme und mich an meinem Leben mit den Kindern erfreue.

Darüber, dass wir jeden Tag lange an der frischen Luft sind, dass das Pferdeversorgen neben der Anstrengung fit hält, dass ich die kleine warme Hand in meiner spüre, wenn wir losmüssen, um die Geschwister mittags abzuholen, darüber, dass ich mittags diese wunderbare Biokarotte in der Hand halten und abschrubben darf, damit wir ein warmes Mittagsessen genießen können.

Es sind die Selbstverständlichkeiten, die ich mir wieder und wieder bewusst mache. Wenn wir Liebe und Achtsamkeit kultivieren, steckt der Alltag voller Wunder, die uns glücklich machen!

Dr. Daniela Heidtmann Yoga It´s Buddha Time Buch Autorin Mama Dreifachmama Mannheim Yoga Meditation MutterKutter Interview

Wie kann ich mir das genau vorstellen: Wie reagierst du als Mama, wenn es wuselig ist, ein Kind, zwei Kinder, drei Kinder was von dir möchten, vielleicht schreien. Was geht dann in dir vor? Etwas, was mich persönlich sehr interessiert, da es mir im Moment öfter schwer fällt, ruhig zu bleiben, wenn meine Erstgeborene trotzt und brüllt – einfach, weil ich tierisch kaputt bin und manchmal das Gefühl habe, am Rand meiner Kräfte angekommen zu sein, weil ich zu wenig zu mir komme.

Ohja, das kenne ich gut!! Am schlimmsten ist es für mich, wenn meine Kinder lautstark
miteinander streiten. Und jetzt haben wir zwar die drei Trotzphasen überwunden, aber da
wartet auch schon die Pubertät und seit sie da angekommen sind, streiten die beiden Großen nicht nur miteinander, sondern auch sehr gern mit mir …

Meine Lösung, wenn ich echt nicht mehr kann: Ich verlasse den Raum. Atme ein paar Mal tief durch, stelle ich mich in die Yogahaltung adho mukha svanasana („Hund“) oder übe eine dynamische Yoga-Abfolge, um meine Frustenergie in den Fluss zu bringen und damit umzuwandeln in Kraft und Wärme. Ein paar Minuten reichen meist. Dann entspanne ich mich, lächle mir selbst innerlich zu und gehe beruhigt wieder in die Streit-Situation zurück, die sich – oh Wunder?! – danach oft scheinbar in Luft aufgelöst hat.

Welchen Rat gibst du uns Müttern, wenn wir das Gefühl haben, dass das Leben nur noch aus Kindern und nicht mehr aus den eigenen Interessen besteht. Denn ich glaube schon, dass eine Art Mamasein-ICH-Balance sauwichtig ist..

Ja, das stimmt. Es ist die allerwichtigste Grundlage unseres Familienlebens, dass wir uns als Mütter gut um uns selbst kümmern. Denn nur, wenn wir selbst genug Freude, Energie und Liebe für uns haben, können wir diese auch weitergeben. Eine ausgebrannte selbstlose perfektionistische Übermutter tut niemandem gut, sich selbst nicht und erst recht nicht den Kindern. Gleichzeitg ist die Frage, wie wir „eigene Interessen“ definieren. Natürlich kann ich nicht mehr wie früher jeden Tag entspannt reiten gehen, wenn ich Kinder habe und ich kann auch nicht jedes vierte Wochenende in ein Yoga-Schweige-Retreat abtauchen und erst recht nicht im gleichen Tempo meinem Job nachgehen, wie zuvor.

Wenn ich solche Wünsche weiter pflege, werde ich frustriert sein. Da braucht es eine gute Portion Realismus! Was ist überhaupt realistisch möglich als Mutter? Doch einmal in der Woche ein Treffen mit meiner besten Freundin oder einmal in der Woche einen Yogakurs zu besuchen, oder abends mit dem Partner allein noch kurz eine halbe Stunde spazieren zu gehen, das lässt sich oft ohne viel Aufwand und vor allem ohne schlechtes Gewissen organisieren.

Viel wichtiger für die Mamasein-ICH-Balance, wie du sie nennst, ist Folgendes: Es geht vor allem darum, uns während der täglichen Aufgaben immer wieder etwas Gutes zu tun. Es müssen gar nicht die großen Dinge sein. Mal bewusst eine Tasse Tee trinken und uns wirklich ganz dem Duft, der Wärme, dem Geschmack öffnen und dabei entspannen, aufmerksam die spielenden Kindern beobachten, uns klar machen, dass sie die Wunder des Lebens sind, die wir uns so sehr gewünscht haben. Das Lächeln, das sich dann auf unseren Lippen zeigt, wird uns durchatmen lassen. Stille und Entspannung können wir zur Hause im Alltag finden, es braucht nur ein kleines bisschen Übung, um zu sehen, wo sie sich verstecken.

Du bist nun nicht nur Yogalehrerin & Coach, du bist auch Autorin. Vor kurzem hast du dein Buch „It ́s Buddha Time“ herausgebracht. Worum geht es hier? Und: Wie ist die Idee dazu entstanden?

Ja, das Buch ist in diesem Sommer erschienen. Ich wollte meine Erfahrungen, die ich über die Jahre mit meinen Kindern und Buddhas Weisheiten gesammelt habe, gern weitergeben. „It`s Buddha Time“ ist mein absolutes Herzensprojekt. Der Untertitel verrät, worum es geht: „Mit Yoga die Kinder glücklich ins Bett und endlich Stille für mich.

Dr. Daniela Heidtmann Yoga It´s Buddha Time Buch Autorin Mama Dreifachmama Mannheim Yoga Meditation MutterKutter Interview

Kinder glücklich ins Bett bringen. Wohl ein Traum jeder Mutter. Warum funktioniert dein Konzept?

Erstmal: Das Yoga-Abendritual-Ritual funktioniert. Es funktioniert wirklich. Das bestätigen auch die vielen Rückmeldungen, die ich auf das Buch bisher bekommen habe und die mich unglaublich glücklich machen. Es funktioniert, weil wir unseren Kindern mit Yoga und Entspannungsübungen, die ganz einfach am Abend vor dem Schlafengehen in 10 Minuten durchzuführen sind, ein Riesengeschenk machen, nämlich das Geschenk unserer absoluten ungeteilten Aufmerksamkeit!

Kinder, die von ihren Lieblingserwachsenen intensiv wahrgenommen werden, tanken so viel Liebe, dass sie die Erwachsenen schon nach kurzer Zeit wieder gehen lassen können.Erwachsene, die für ein paar Minuten ganz da sind, ganz bei ihrem Kind, jenseits vonSmartphone und Projektplanungen, nähren ihr Kind emotional, so dass es leichter loslassen und einschlafen kann. Wenn wir nach solch einer Zuwendung dann das Licht im Kinderzimmer ausmachen und nicht gleich verschwinden, sondern uns selbst noch vor dem Bett des Kindes auf einem Stuhl oder auf dem Boden durch ein paar Minuten Meditation entspannen, bevor wir weiter unsere „Pflichten“ erfüllen, schlafen unsere Lieben nicht nur behütet ein, sondern wir tun uns selbst etwas Gutes. Eine „win-win-Situation“, die für alle den Tagesabschluss wunderschön macht.

Dr. Daniela Heidtmann

Könntest du vielleicht ein bisschen was verraten, uns eine Übung aus dem Buch an die Hand geben?

Ja, sehr gern! Mein Buch ist zum einen ein Lesebuch für Erwachsene, mit Geschichten aus
meinem teilweise chaotischen Alltag mit drei Kids und vielen Ratschlägen, mit Buddhas Hilfe gelassener zu werden. Zum anderen enthält es im Mittelteil das von mir aus der Praxis entwickeltes Abendritual, mit dem Eltern ihre Kinder glücklich ins Bett bringen können. Mit vielen einfach nachzumachenden Übungen, mit Yogaeinheiten, die speziell auf die Verfassung des Kindes am Abend zugeschnitten sind, Entspannungsgeschichten, Massagen, Traumreisen, Liedern und Meditationsanleitungen. Hier sind zwei Beispiele, eins für Mamas und eins für Mamas & Kinder.Dr. Daniela Heidtmann Yoga It´s Buddha Time Buch Autorin Mama Dreifachmama Mannheim Yoga Meditation MutterKutter Interview

Dr. Daniela Heidtmann Yoga It´s Buddha Time Buch Autorin Mama Dreifachmama Mannheim Yoga Meditation MutterKutter InterviewFür alle Mamas:

Die Achtsamkeitsglocke. Mein Lehrer, Zen-Meister Thich Nhat Hanh, empfiehlt, immer wenn wir eine Glocke hören, kurz innezuhalten und bewusst zu atmen. Wenn ich den Klang einer Glocke (oder in meiner Interpretation: den Klingelton des Smartphones ;)) höre, dann versuche ich, egal was ich gerade tue, eine Pause einzulegen, die Situation, in der ich bin, wahrzunehmen, die Menschen, mit denen ich zusammen bin, bewusst zu sehen, und dann alle Anspannungen gehen zu lassen. Vor allem in den Schultern, im Rücken, in den Kiefergelenken …. einmal tief durchzuatmen, bevor alles weitergeht.

Für alle Kinder:

Das Gold-Tröpfchen. „Goldtröpfchen, Goldtröpfchen mit dem silberhellen Köpfchen, komm‘ in meine Hand und mach sie weich und samt.“ Zu diesem Lied wird ein kleines Tröpfchen Öl in das Kinder-Händchen getröpfelt. Das Öl in der Hand wird genauestens angeschaut, verrieben, der Duft wahrgenommen. Dabei wird es meist still. Ein wunderschöner Startpunkt zu einer Kinder-Tiefenentspannungs-Massage, die im Buch auch genau beschrieben wird.

 Was ist deine Lieblings-Yoga-Weisheit, die dich durch den Tag bringt?

Ich hab da mehrere!! (lacht) Aber zu unserem Interview passt:

„Es hat etwas Luxuriöses, im Herzen des Chaos still zu sein.“

Das ist ein Zitat von Virginia Woolf und findet sich in meinem Buch „It`s Buddha Time“ neben vielen anderen Lieblingszitaten.

Und unsere nachgefragt!-Frage zum Schluss: Was ist dein schnellstes Lieblingsgericht?

Himmel & Erde (so nannte es meine Oma): Selbstgemachtes Kartoffelpüree mit frisch gekochtem Apfelmus. Da werde ich selbst wieder zum glücklichen Kind.

Vielen Dank für dieses schöne und inspirierende ausführliche Interview, liebe Daniela!

Danielas Buch könnt ihr übrigens bei ihr direkt oder ihrem Verlag bestellen! Viel Spaß beim Lesen.

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