Sie ist Mama & arbeitet als Bergbäuerin – das ist ja spannend. Das waren unsere ersten Gedanken, als wir das Profil von Hanna bei Instagram entdeckt haben. Und dann: Huch, die hat den Job ernsthaft ihre ganze Schwangerschaft durchgezogen und ist die Berge mit dickem Bauch hoch und runtergewandert? Wow! Respekt! Grund genug, um die 30-Jährige für ein Interview anzufragen. Denn wir wollten unbedingt mehr von ihr erfahren und von ihr wissen, warum sie sich für dieses (etwas einsamere) Leben in der Idylle entschieden hat.

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Liebe Hanna, könntest du dich bitte einmal ganz kurz unseren Lesern vorstellen?

Ich bin 30 Jahre alt, Mama einer 15 Monate alten Tochter und bin eigentlich studierte Dipl. Verwaltungswirtin. Vor meinem Leben in den Bergen hatte ich einen Schreibtisch-Job im Umweltamt der Stadt München.

Du wohnst in den Bergen. Wo genau?

Seit einigen Jahren nenne ich Südtirol meine Heimat. Wir wohnen im Pustertal.

Auf dem Weg zur Knuttenalm.

Du arbeitest als Bergbäuerin? Was heißt das – wie sieht dein Job aus?

Mein Partner bewirtschaftet einen Erbhof, einen Bergbauernhof, der schon seit vielen Generationen von derselben Familie geführt wird. Seit ich meinen Arbeitsplatz in München aufgegeben habe, arbeiten wir hier zusammen. Wenngleich momentan die Hauptlast bei ihm liegt. Zurzeit haben wir Milchvieh im Stall und beliefern die örtliche Sennerei. Mein „Job“, wie du es nennst, umfasst alles rund um den Bauernhof. Eine genaue Beschreibung würde wohl den Rahmen des Interviews sprengen. Es beginnt mit Tätigkeiten im Stall, der wichtigen Reinigung der Geräte in der Milchkammer, bearbeiten von Gemüsegarten und Acker, dem normalen Haushalt natürlich und seit 15 Monaten der Erziehung unserer Tochter.

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Wie sehr unterscheidet sich dein Joballtag von dem einer Büroangestellten?

Ich glaube, neben dem großen Unterschied Büroluft versus Natur ist es vor allem die Struktur, die anders ist. Viele Dinge sind hier nicht im Voraus planbar. Während es im Büro fixe Meetings gibt, oftmals eine vorgegebene Zeitschiene, lange voraus geplante Veranstaltungen ist das Leben hier viel spontaner und weniger durchgeplant. Das war vor allem für mich eine große Umstellung, weil ich „eigentlich“ jemand bin, der sehr gerne geordnet lebt und gerne plant, auch im Voraus. Das geht hier zeitweise gar nicht. Es richtet sich eben nach dem, was am Hof ansteht.

Lebt ihr sehr abgeschieden? Wenn ja, wie…?

Das ist Definitionssache. Für jemanden, der im Stadtzentrum einer Großstadt lebt, ist das hier sehr abgeschieden. Aber es gibt durchaus Höfe, die ich wirklich als abgeschieden bezeichnen würde. Klar, es gibt keine einzige Einkaufsmöglichkeit im Dorf, wir leben zudem ein Stück außerhalb des Dorfes. Aber innerhalb von 30 Autominuten erreiche ich einen größeren Ort mit ausreichend Möglichkeit, Dinge einzukaufen. Allerdings würde ich schon sagen, dass ich ohne Auto ziemlich verloren wäre. Es gibt unter der Woche zwar eine Busverbindung, doch die geht natürlich erst ab dem Dorf und da läuft man zu Fuß mit Kinderwagen fast eine halbe Stunde. Aber ich habe hier den Vorteil keine direkten Nachbarn zu haben. Das macht irgendwie frei.

Das klingt auf jeden Fall erst einmal nach Idylle…und Ruhe….Wann hast du dich dafür entschieden, so zu leben?

Den genauen Zeitpunkt kann ich dir nicht sagen. In das Land Südtirol habe ich mich schon vor Jahren verliebt, als ich während meines Studiums einige Zeit in Bozen verbringen durfte. Tja, was soll ich sagen, ich bin hängen geblieben. Jahre später hat mir mein damaliger Arbeitgeber eine Auszeit ermöglicht. Für ein paar Wochen war ich als Erntehelferin über den Verein „Südtiroler Bergbauernhilfe“ auf einem Hof im Pustertal. Diese Zeit hat mein Leben verändert. Endlich hatte ich das Gefühl, wirklich zu leben. Ja, es waren körperlich sehr anstrengende Wochen, aber diese Tätigkeiten hatten alle einen Sinn. Das hat mir bei vielem im Büro echt gefehlt. Während dieser Zeit ist der Wunsch nach Veränderung immer lauter geworden. Und eines Tages war es dann soweit. Allem Gegenwind zu trotz hab ich die Kündigung abgegeben und bin drei Monate später hier her gezogen.

Du bist ja auch Mama. Sag mal, bist du in der Schwangerschaft noch die Berge hoch? Wie hast du das gemacht?

Bis zu einem gewissen Punkt in der Schwangerschaft sind wir tatsächlich noch wandern gegangen. Bis ich dann eines Tages gemerkt habe, dass es einfach zu anstrengend ist. Aber den zweiten Teil der Heuernte hab ich mit Kugel vorm Bauch mitgemacht. So im Nachhinein betrachtet, was das oft schon eher unfein und vielleicht auch nicht so schlau. Aber wenn man einen Hof hat, dann müssen manche Dinge einfach gemacht werden. Außerdem war ich durch die „erzwungene“ Bewegung echt fast bis zum Ende gut beinander und fit. Ganz ohne Schwangerensport oder so was.

Wie habt ihr eigentlich die Geburt gemanaged? Hattet ihr eine Hebamme, die zu euch nach Hause gekommen ist, oder seid ihr einfach etwas früher in die Klinik aufgebrochen, um ja auch rechtzeitig anzukommen?

Leider ist die einzige freiberufliche Hebamme zu teuer gewesen. Außerdem hätte sie wohl auch keiner Hausgeburt zugestimmt, weil Winter war und wir zu weit weg wohnen. Das hat mich lange traurig gemacht. Letzten Endes musste die Geburt aber wegen gesundheitlicher Probleme eingeleitet werden, so dass ich tatsächlich im Krankenhaus war und dort auch entbunden habe.

Übrigens: So eine Hebammenversorgung, wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es hier nicht. Auch nicht bei der Nachsorge. Naja, zumindest hier in der Gegend nicht. Wenn wir eine wollen, dann müssen wir – wie gesagt – viel Geld zahlen.

Wie kombinierst du Job und Familile? Kommt deine Tochter einfach mit? Wie regelt ihr das mit der Betreuung?

Es kommt ganz darauf an, welche Arbeiten anstehen. Bei der Feldarbeit (Heuernte) ist sie definitiv nicht dabei. In der Milchkammer oder im Stall habe ich sie gerne da. Wir haben die Oma am Hof, die solche Betreuungszeiten abdeckt. Auch dann, wenn ich am Wochenende auswärts arbeiten gehe.

Auszeit am Lappacher Stausee.

Deine Tochter wächst ja ganz anders auf als Kinder in derStadt. Welche Vorteile hat das Landleben für sie?

Landleben ist Freiheit. In der Natur und mit ihr aufzuwachsen, Tiere um sich zu haben oder zu lernen, Verantwortung zu übernehmen (z.B. für die Tiere) – nicht nur darin sehe ich große Vorteile. Auch darin, immer draußen zu sein und spielen zu können, ohne Angst zu haben, dass gleich ein Auto kommt. Es gibt bei uns keine viel befahrene Straße.  Die Zufahrt ist nur für uns, da kommt niemand aus Versehen vorbei.

Doofe Frage, aber wie ist das eigentlich mit dem Austausch mit anderen Müttern, wenn man so einsam wohnt? Verabredest du dich regelmäßig oder gibt es bei euch in der Nähe eine Art Dorfkern, wo ihr euch alle trefft?

Unser Dorf ist wirklich klein, einen wirklichen Dorfkern gibt es nicht. Aber zum Beispiel ein „Elki“ (Eltern-Kind-Zentrum) in Bruneck. Und die Cousinen & Cousins, die oft am Hof sind. Außerdem treffen wir uns tatsächlich noch mit den Mamis vom Geburtsvorbereitungskurs – und das nach über einem Jahr. Meine Tochter kommt also mit Kindern zusammen, auch wenig es vielleicht ein bisschen mehr sein könnte.

Wann zieht es dich in die Stadt? Oder eher gar nicht..?

Manchmal vermisse ich tatsächlich die Anonymität der Großstadt. In München vom Stachus zum Marienplatz laufen, inmitten der Menschen und NIEMAND kennt dich. Das hat was. Und so manche Einkaufsmöglichkeit fehlt mir oftmals. Ich bin da sehr verwöhnt, was den Luxus der Großstadt angeht.

Was ist dein top Ausflugstipp?

Oh, da gibt es eine lange Liste. Aber wenn ich entspannen will, dann laufe ich zum Glittner See. Für Familien, die gerne eine kurze Wanderung machen möchten, empfehle ich die Walder Alm in Ellen oder die Pertinger Alm. Nähere Infos bekommen Südtirol-Urlauber gerne direkt bei mir.

Und, letzte Frage: Nenne uns doch bitte dein schnellstes Lieblingsgericht?

Tomate-Mozzarella mit eigenem Basilikumsalz und frischem Ruccola. Geht schnell, ist lecker und macht satt.

Wandern mit Kind.

Herzlichen Dank dir für diesen wunderbaren Einblick in dein Leben, liebe Hanna! Und falls ihr noch Fragen an die Bergbäuerin habt, dann immer her damit. Wir leiten sie gerne für euch weiter. Oder folgt ihr einfach bei Instagram und schreibt ihr direkt!

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