Hilfe, mein Kleinkind dreht völlig am Teller. Schreit. Tobt. Kratzt. Haut. Quengelt. Nörgelt. Weint. Nervt. Ist neben der Spur und völlig anders als sonst. Die Phase kennen wir Mamas doch alle. Wir fragen uns: Was soll ich jetzt tun? Ist das noch normal? Wird alles wieder so wie früher? Vielleicht habt ihr dann auch nach Frauen gegoogelt, die euch weiterhelfen, euch Tipps geben und Mut machen können. Oder ihr habt andere Mamas um Rat gefragt. Und bestimmt sind euch dann Danielle Graf & Katja Seide über den Weg gelaufen. Mamas, Bestsellerautorinnen & Macherinnen des Elternblogs Das gewünschteste Wunschkind. Ihre Tipps sind goldwert. Ihr Buch hat uns beiden und vielen unserer Freundinnen enorm weitergeholfen. Und auch konnten sie bei unserem aktuellen Thema tolle Tipps geben. Hier ist es nämlich vorbei mit unseren gemütlichen Wir-trinken-Kaffee-und-die-Kids-spielen-Nachmittagen. Zwischen Anni und Titus gibt es nun immer wieder Streit. Ums Spielzeug. Genauer: Immer um das, was grad der andere in der Hand hat. Hilfeeeee….

das gewünschteste wunschkind meins deins kleinkind leben mit kind familie erziehung Elternzeit Mama Mutter Kiel Mamablog Mädchenmama Mutterkutter Leben Glück Mamasein


Unser Kids kennen sich förmlich aus den Bäuchen. Anni und Titus sind beste Freunde. Bis vor ein paar Wochen haben wir noch gesagt: Geil, wie entspannt ist es denn jetzt bitte? Wir können Kaffee trinken und unsere 2Jährigen spielen richtig cool zusammen. Doch plötzlich ist es oft schon nach 5 Minuten vorbei mit unserer Plauderidylle. Die beiden streiten sich. Und wie. Um ein Spielzeug oder die Schaukel, um ein Buch oder oder… Es gibt Geschrei. Geheul. Und wir sind mitten drin. Inwiefern kommt euch das bekannt vor?

Eigentlich ist es eher ungewöhnlich, wenn Zweijährige richtig ausdauernd miteinander spielen. Häufiger spielen Kinder in dem Alter nebeneinander her und interessieren sich noch nicht so sehr für andere Kinder. Das kommt in der Regel erst mit etwa drei Jahren. Unabhängig davon ist es vollkommen normal, wenn Kinder sich ständig streiten – das Spielzeug des Anderen ist grundsätzlich interessanter, als das eigene. In dieser Phase lernen Kinder ja erst die Anfänge des sozialen Miteinanders kennen. Wir müssen ihnen jetzt zeigen, welches Verhalten gesellschaftlich akzeptabel ist und welches nicht. Dass Hauen dem anderen weh tut, verstehen sie kognitiv erst mit dem Meilenstein des Perspektivenwechsels. Bis dahin müssen wir ihr Verhalten moderieren. Wenn Kinder also hauen, beißen oder kratzen, dann müssen wir deutlich „Stop“ sagen. „Das macht man nicht“ dazu zu sagen ist leider nicht sehr hilfreich, weil Kinder schwache Worte heraus filtern und das „nicht“ nicht verstehen. Daher ist es besser, Alternativen anzubieten. Es ist eine sehr anstrengende Zeit und ich fürchte, ich muss etwas desillusionieren: Streitigkeiten werden ab jetzt fest zum Alltag gehören. Kinder müssen sich ausprobieren und sie lernen vor allem durch Aktion und Reaktion.

Und was aus unserer Sicht etwas schräg wirkt: Der Streit dreht sich oft um ein Teil, mit dem unsere Kinder jeweils eine gefühlte Ewigkeit nicht gespielt haben bzw., was vorher so gar nicht im Fokus war. Sobald derjeniege, dem es nicht gehört, das Eigentum des jeweils anderen in der Hand hat, hören wir gerne mal: „Meeeeins.“ „Nein. Meeeins!“ „Mama!?“ Direkt gefragt: Wie normal ist das in dem Alter? Inwiefern verstehen sie denn schon im Kleinkindalter, was „meins“ und „deins“ ist?

Einen Begriff von Besitz haben sie noch nicht wirklich. „Meins“ bedeutet nicht, „Das gehört mir!“ sondern vielmehr: „Das will ich haben!“ Deswegen sind auch oft fremde Spielzeuge „Meins!“

„Meins – deins“ – wie wichtig ist das für den Entwicklungsprozess?

Im Alter von zwei Jahren hat Besitz noch keine wirkliche Bedeutung. Aber mit etwa 18 Monaten beginnen Kinder, ihren Besitz zu verteidigen. Die Fähigkeit zwischen „mein“ und „dein“ zu unterscheiden ist ebenfalls mit den Meilenstein der Perspektivübernahme verknüpft. Erst wenn ein Kind erkennt, dass ein anderes Kind etwas anderes denken und fühlen kann, als es selbt, versteht es, dass es einen Gegenstand als sein Eigentum betrachtet.

Ich, Doro, höre mich dann ständig sagen: „Anni, wir teilen. Bei Titus darfst du doch auch mit seinem Bagger oder seiner Bohrmaschine spielen.“ Dabei rutsche ich dann auch gerne in einen inneren Dialog: „Oh Gott, wird sie das Teilen auch lernen? Was soll denn das? Warum macht sie das denn nicht?“ Und dann finde ich mich bescheuert und denke: Sie ist doch erst 2. Erwarte ich zu viel von meiner Tochter in solchen Momenten? Was bedeutet das Wort „teilen“ überhaupt für ein Kleinkind?

Zwischen Kindern besteht oft ein natürliches Konkurrenzverhalten. Früher haben Kinder ja in größeren Familien und Rudeln gelebt – hier überlebte am zuverlässigsten der, der am meisten Besitz und Ressourcen um sich scharrte. Andere Kinder waren dabei die größten Konkurrenten. Nicht teilen wollen und gierig sein sind daher im Grunde natürliche Verhaltensweisen. Erst in den nächsten Jahren werden sie ein Verständnis dafür entwickeln, dass kooperative Verhaltensweisen sinnvoller sind. Aber bis dahin vergehen noch ein paar Jahre.

Wie sollten wir Eltern uns denn grundsätzlich in solchen Situationen verhalten? Wir versuchen ihnen entweder zu erklären, warum teilen doch was Schönes ist oder warum der jeweils andere sein Spielzeug nicht abgeben möchte. Wir Mamas sagen dann auch immer wieder: Am besten klären sie das direkt unter sich. Aber, zugegeben: Irgendwann sind wir schon ein wenig genervt, wenn es in einer Stunde zigfach Geheul und Geschrei gibt…

Ja – es ist anstrengend, das auszuhalten – aber tatsächlich einigen sich Kinder in den meisten Fällen ganz unproblematisch (wenn auch laut). Wenn es natürlich körperlich wird, sollten wir einschreiten. Bezüglich des Teilens vertrete ich die Auffassung, dass man Kinder nicht zum Teilen anhalten muss und sollte. Kinder identifizieren sich sehr stark über die Dinge, die sie besitzen. Wir teilen ja auch nicht die Dinge, die uns am Herzen liegen. Teilen ist altruistisches Verhalten, das man nicht anerziehen kann. Erst recht nicht, wenn Kinder noch in einem vollkommen egozentrischen Weltbild leben. Der Wunsch zu teilen entsteht im Laufe der moralischen Entwicklung oft ganz allein. Kinder im Alter zwischen drei und vier Jahren teilen kaum. Es gibt aber Studien, die zeigen, dass sich die Bereitschaft mit zunehmendem Alter erhöht. Bei den 5- bis 6-Jährigen teilen schon 20 %, die ihre Süßigkeiten. Im Schulalter teilen 50 % der Kinder freiwillig.

Wie seht ihr das: Sollen Kinder alles teilen oder ist es auch ihr gutes Recht zu sagen: „Nö, das rote Plastikmotorrad (hier der Dauerstreitpunkt No 1) ist meins, das gebe ich nicht ab.“?

Unbedingt! Kinder sollten ihren Besitz „verteidigen“ dürfen. Das ist manchmal etwas unangenehm, wenn man Besuch hat – bei uns hat sich da ein attraktives Spielzeug bewährt, das nur in solchen Fällen als Tauschobjekt eingesetzt wird, so haben dann beide Kinder ein tolles Spielzeug. Interessanterweise fangen sie dann oft an zu verhandeln oder gemeinsam zu spielen.

Und, habt ihr zufällig noch ähnliche Beispiele eurer Leser, die euch erreicht haben?

Diese Gedanken machen sich ganz viele. Wir haben hier einen Artikel über das Thema geschrieben. Viele Eltern sind erleichtert, dass das Verhalten völlig normal ist. Es wird übrigens gelegentlich berichtet, dass der Verzicht auf Teilungsaufforderungen dazu führte, dass die Großzügigkeit erkennbar stieg. Denn zu sagen: „Nun teil doch mal!“ führt oft zu einer noch verbisserenen Verteidigung.


Vielen Dank für das tolle Interview und eure Tipps, liebe Danielle & liebe Katja.

Übrigens: Falls ihr mehr über den Bestseller Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn erfahren wollt – hier geht es zu unserer Rezension!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.