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Hä? Zwei Streifen? Ich? Das kann doch eigentlich gar nicht sein! Ich habe doch Endometriose?!* Ein Wahnsinnsmoment war das letztes Jahr, denn: Dass ich überhaupt Mutter werden könnte, damit hatte ich nicht wirklich gerechnet.Über Jahre hatte ich daran gearbeitet, mir diese Idee auszutreiben bzw. mir immer wieder zu sagen, dass das Ganze eine echt schwierige Kiste werden würde, ich mich wohl nie Mama nennen darf – und mich auf ein Leben mit Hund und einer schönen Weltreise eingestellt. Ich wollte so der Enttäuschung vorbeugen.

2006 wurde ich operiert. Was ich hatte, das wusste ich vorher nicht. Ich war mit enormen Bauchschmerzen in die Klinik gegangen und bin kurzerhand auf dem OP-Tisch gelandet. Diagnose Endometriose. Bei der Entlassung gab eine Ärztin mir zu verstehen, dass ich mit dem Kinder kriegen nicht allzu lange warten solle. Schließlich könne die Krankheit zur Unfruchtbarkeit führen. Danke für die Blumen, dachte ich mir damals. Mit 25. Ich fand mich nicht nur noch zu jung, um Mutter zu werden – dazu war weit und breit kein potentieller Vater in Sicht. Worte, die mich nachhaltig geprägt hatten. Eine Krankheit, die mich dann über Jahre begleitet hat – zunächst nicht nur wegen der Schmerzen, sondern auch wegen der damit verbundenen Angst, nie Mutter werden zu können. Wie oft habe ich im Internet Worte wie „nicht schwanger wegen Endometriose“ oder „Unfruchtbarkeit wegen Endometriose“ gelesen und verinnerlicht.

2014 war bei uns das Thema „Schwangerschaft“ auf dem Tisch. Doch mit dem Absetzen der Pille kamen heftige Schmerzen zurück. Ich sollte ins MRT. Ein erster Schritt. Plötzlich stand das Wort OP wieder im Raum. Scheiße!  Denn das könnte bedeuten, dass ich mich entscheiden müsste: Entweder OP oder ‚es darauf ankommen zu lassen‘. Würde ich dann die richtige Entscheidung treffen? Ich hatte Angst.

Zeitgleich bekam ich einen Tipp aus dem Bekanntenkreis. Ich solle doch mal zu einer bestimmten Heilerin gehen. Sie könne vielleicht meine Schmerzen lindern. Hand auflegen, heilen. Das hatte ich vorher ein einziges Mal ausprobiert. Mit dem Ergebnis, dass ich mich unter den Händen einer Heilpraktikerin liegend gefragt habe: „Was zur Hölle mache ich hier eigentlich? Kohle verbrennen? Ich merke rein gar nichts.“ Ich war mir damals sicher: das ist nichts für mich. Nur: Nun waren nicht nur meine Schmerzen da, sondern auch der Wunsch, ein Kind zu bekommen. Ich wollte nichts unversucht lassen – und habe es ausprobiert. Die Heilerin: eine junge Frau, wie du und ich. Gelernte Intensivkrankenschwester. Ich war tierisch aufgeregt. Einfach, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Das Verrückte ist: Sie hat mich während der Behandlung nicht einmal angefasst. Ich stand. Sie ist um mich herum gegangen, ihre Hände immer mit einem gewissen Abstand zu meinem Körper. Und ich, ja, ich hatte das Gefühl, in einem Magnetfeld zu stehen. Meine Knie zitterten und ich konnte kaum gerade stehen. Irgendwann fing dann mein Bauch an zu rumoren. Und das tierisch laut. Komisch, dachte ich – das kenne ich so gar nicht. Dazu zog es kurz an den Stellen, die mir immer wieder weh taten. Dann hörte mein Bauch auf und ihrer übernahm buchstäblich das Geräusch. Ich war völlig perplex und dachte mir: Bilde ich mir das hier alles nur ein? Nein, das wusste ich spätestens als ich nach der Behandlung die Metallschnalle meines Gürtels anfasste. Die war heiß. Und das, obwohl ich sie vorher nicht einmal berührt hatte.

Zuhause fiel ich erst einmal in einen dreistündigen Tiefschlaf. Und die Schmerzen, ja, die ließen tatsächlich nach. Viel wichtiger war aber für mich, dass sie zu mir sagte: „Ich wüsste nicht, warum du kein Kind bekommen solltest.“ Worte, die mich wahnsinnig stärkten. Der Glaube an mich kehrte zurück. Und ich gewann Vertrauen in meinen Körper.

Das MRT-Ergebnis war dann nicht eindeutig. Es könnten neue Endometriose-Herde sein, sagte mir meine Frauenärztin. Die Entscheidung, ob OP oder nicht – die läge bei mir. „Was ist, wenn eine erneute Operation eine Schwangerschaft überhaupt erst möglich macht?“, fragte ich mich. Mit Sorge. Aber auch wenn ich Angst hatte, mich falsch zu entscheiden – es hat sich dann einfach richtig angefühlt, es erst einmal so zu versuchen. Denn mir wurde nun auch klar: Ich hatte eine Schwangerschaft abgeschrieben, bevor ich überhaupt versucht hatte, schwanger zu werden. Ich hatte Google und wagen Aussagen von Ärzten mehr vertraut als mir selbst.

Heute bin ich mir sicher: die Behandlung hatte einen entscheidenden Anteil an dem positiven Schwangerschaftstest. Nur kurze Zeit später hat es geklappt. Meine Frauenärztin sagte damals zu mir: „Wer heilt, hat Recht.“  Und da gebe ich ihr Recht.

Für mich ist nun klar: eine Endometriose ist kein Ausschlusskriterium für eine Schwangerschaft. Die zwei Streifen können trotzdem in Erfüllung gehen! Das Wichtigste bei dieser Diagnose ist, denke ich, dass man die Hoffnung nicht zu früh aufgibt!

Falls ihr Fragen an mich habt, dann meldet euch gerne bei mir!

*Bei der Endometriose handelt es sich um gutartige, oft schmerzhafte Wucherungen von Gewebe der Gebärmutterschleimhaut (das so genannte Endometrium), das sich außerhalb der Gebärmutter in benachbarten Organen ansiedelt.

6 thoughts on “Hurra, ein Baby – trotz Endometriose”

  1. Hallo und guten Morgen!

    Habe gerade deinen sehr erfrischenden Beitrag gelesen! Danke, er ist echt aufmunternd.
    Bei mir wurde vor 5 Monaten eine endo Zyste entdeckt. Eigentlich bis dahin hatte ich keine typischen Endo Beschwerden.
    Nun sticht es seit drei Monaten durchgehend im Unterbauch und Rücken.
    Hattest du auch ständig schmerzen?
    Nun ist bei mir auch die Frage: bs oder nicht…
    Kannst du mir Heilerin vermitteln?
    Ich hoffe dir und Baby geht es bestens!!!!

    Glg,
    Verena

    1. Liebe Verena,
      herzlichen Dank für deine lieben Worte. Es freut mich sehr, dass ich dir mit meinen Zeilen ein bisschen Kraft geben konnte. Ich kenne ein Stechen und ziehen, ja. Auch richtige Schmerzen – so, als ob ein blauer Fleck im Bauchraum wäre. Ständig hatte ich sie nicht, sondern immer rund um den Zyklus. Ich gebe dir sehr gerne den Kontakt. Würdest du mir an unseren Account eine kurze Mail schreiben (kontakt@mutterkutter.de) ? Dann kann ich ihn dir zumailen. Ich wünsche dir alles Liebe und wenn du noch Fragen hast, dann melde dich immer gerne.
      Und, was mir noch einfällt. In dem Buch „Frauenkörper – Frauenweisheit“ findest du ein paar Tipps rund um die Krankheit, auch zum Thema Ernährung. Eine amerikanische Frauenärztin hat es geschrieben. Ich finde es super.
      Herzliche Grüße von Doro

  2. Du sprichst mir total aus der Seele..
    Als ich die erste Veränderung in meinem Körper bemerkt habe, war ich 28.
    Vorher kannte ich einfach keine starken Unterleibschmerzen oder Schmerzen nach dem Stuhlgang sowie ständige Blähungen.
    Nun ja die Diagnose kam dann im Februar 2015 während einer Bauchspiegelung; ausgeprägte Endometriose mindestens Grad 3. Eine Schokoladenzyste links (8cm), Endoherden an der Bauchdecke, Herden im Douglas`schen Raum und am Darm. Aber sonst keine Verwachsungen und Verklebungen. Eileiter, sowie der rechte Eierstock waren nicht befallen. Nach meinen eigenen Schätzungen liegen zwischen dem Ausbruch der Krankheit und Diagnose 2,5 Jahre.

    Sechs Monate später stand dann die nächste Op an, weitere Herden wurden entfernt, seitdem nehme ich die Pille (Langzeitzyklus).
    Mich begleitet auch immer die Angst, dass es ziemlich schwer mit der Schwangerschaft später wird. Den richtigen Partner habe ich noch nicht. Meine Frage wäre, denkst du ob es doch möglich wäre überhaupt auf natürlichem Weg schwanger zu werden,da meine Eileiter ja durchgängig sind und rechter Eierstock nicht befallen war? Aufmunternde Worte könnte ich momentan sehr gebrauchen.
    Ich finde es richtig gut, dass du uns Leidenden Mut machst.

    Vielen Dank im Voraus

    liebe Grüße

    gönül

    1. Liebe Gönül,
      herzlichen Dank für deine liebe und vor allem ehrliche Email. Wie geht es dir denn heute? Hast du noch Schmerzen oder sind sie durch die OPs behoben?
      Ich kann das mit deiner Angst absolut verstehen. Das Problem war bei mir, dass darauf hingewiesen wurde, dass es eventuell „nicht einfach“ werden könnte und „ich früh Mutter“ werden solle. Das hat natürlich zu einer absoluten Kopfbaustelle geführt.
      Ich kann dir nur sagen: Ich bin dann ja auf natürlichem Weg schwanger geworden. Und ich hatte absolut nicht daran geglaubt. Vielleicht war es auch gut für mich, dass ich dieses Thema auf eine gewisse Art und Weise „abgeschrieben“ hatte. Ich sage mal so: Warum sollte es bei dir nicht klappen?
      Du wirst bestimmt einen tollen Partner finden. Vielleicht kannst du dann auch den Gedanken „dass es eventuell nicht klappt“ loslassen. Und außerdem gibt es ganz tolle Literatur zu dem Thema. Ich empfehle an dieser Stelle das Buch von Dr. Northrup „Frauenweisheit – Frauenkörper“, hier findest du auch einen Teil über die Endometriose. Ich drücke dir von Herzen alle Daumen, aber: Wie so oft im Leben fügt sich am Ende alles auf die Art, wie es für einen passt. Falls ich dir noch weiterhelfen kann: melde dich.
      Herzliche Grüße von Doro

  3. Hallo Doro

    Erst mal vielen lieben Dank für die schnelle Antwort und positiven Worte.
    Nach den Ops und durch die dauerhafte Einnahme der Pille haben sich meine Beschwerden deutlich verbessert. Ganz beschwerdefrei bin ich dennoch nicht, mal zwickt und zieht es links und im ganzen Bauchraum, das Völlegefühl hab ich mal wenig mal stark mal garnicht, weiss nicht so ganz woran es liegt und immer Schmerzen beim Wasserlassen und Stuhlgang, aber die sind auf jeden Fall gut zu ertragen. Seit zwei Tagen geht es mir ganz gut(fast beschwerdefre)…wird sich aber sicherlich in paar Tagen ändern.

    Ich mache mir leider enormen Druck wegen meinem Alter(30) und dem Partner . Aber so wie du sagtest, wird der Druck nachlassen wenn ich einen liebe-und verständnisvollen Partner gefunden habe. Ich freu mich sehr für dich, dass es bei dir geklappt hat und wünsche wirklich vom ganzen Herzen allen Ednometrioseleidenden, dass der Kinderwunsch irgendwann in Erfüllung geht.

    Mir fallen da noch paar Fragen ein:
    Ich würde gerne noch wissen, ob du Schmerzen während der Schwangerschaft hattest und ob du deine Ernährung in der Zeit umgestellt hast?
    Allgemein: Würde es nach Absetzen der Pille lange dauern schwanger zu werden, weil man die ja über einen längeren Zeitraum und dann auch noch im Langzeitzyklus genommen hat?

    Danke dir und alles alles gute Mit deinem Kleinen

    liebste Grüße

    gönül

    1. Liebe Gönül,
      ich wünsche dir, dass deine Schmerzen dauerhaft nachlassen. Mir hat Yoga geholfen. Sport und gesunde Ernährung sind das A und O für mich gewesen.
      Und ich drücke dir alle Daumen, dass du deine große Liebe bald findest. Halt dein Herz bereit und die Augen offen, so hat es auch bei mir geklappt.
      Ich hatte vor der Schwangerschaft immer gehört, dass diese die Endometriose quasi still legt. Bei mir ist genau das passiert. Seitdem habe ich keine Schmerzen mehr. Ich habe mich nicht anders ernährt als andere Schwangere auch.
      Wie schnell das geht – das kann ich dir nicht beantworten. Es gibt aber Menschen, die dir im Fall der Fälle helfen können. Sowohl medizinisch als auch alternativmedizinisch. Versuch die Sorgen loszulassen und zu leben! Oft kommt der Rest von selbst! Alles Liebe von Doro

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