Plötzlich Familie. Plötzlich Mamas. Es gibt Liebesgeschichten, die sind einfach wunderbar. Du hörst sie und denkst: WOW, wie schön! Uns erging es so als wir Anja & Nicole zuhören durften. Diese Mädels waren ursprünglich Freundinnen. Doch, wie das Leben eben so spielt, kam es dann anders. Heute sind die beiden verheiratet und haben einen Sohn.

Über die Geschichte ihrer Liebe und ihr Leben als Mamas haben sie mit uns gesprochen: ehrlich, gefühlvoll, mitreißend. Denn, so viel vorweg: Nicole war vorher lange mit einem Mann zusammen – über ihre Gefühle für Anja musste sie sich erst einmal klarwerden. Welche Fragen sie sich damals gestellt hat und inwiefern das Mamasein das Leben der beiden Mädels umgekrempelt hat – das erfahrt ihr jetzt in unserem Interview.

Viel Spaß beim Lesen!


Mädels, erst einmal an vorweg ein großes Dankeschön an euch dafür, dass ihr bereit seid, uns eure Geschichte zu erzählen. Wir fühlen uns geehrt. Und wir brennen förmlich darauf, mehr von euch zu erfahren. Hand aufs Herz: Wie oft hört ihr solche Worte von euren Mitmenschen?

Erst einmal vielen lieben Dank an euch! Wir freuen uns sehr, dass ihr unsere Geschichte spannend findet. Wir werden mit Fragen zu unserem Leben regelrecht gelöchert. Deswegen haben wir uns auch entschieden unseren Blog FrauundFrauW ins Leben zu rufen. Dort werden wir Einblicke in unseren Familienalltag geben. Außerdem sind wir seit einigen Wochen auf Instagram aktiv.

Die glücklichen Mamas Anja (45, links) & Nicole (36).

2 Mamas, 1 Kind. Eigentlich nichts besonderes. Und irgendwie doch. Kann es sein, dass es gerade eure Normalität ist, die euch besonders macht?

Ehrlich gesagt denken wir gar nicht soviel darüber nach WAS wir sind, sondern vielmehr darüber WER wir sind. Nämlich zwei Frauen, die sich lieben und miteinander verpartnert sind, zusammen einen großartigen Sohn haben und eine Familie sind. Ob uns das zu etwas Besonderem macht? Keine Ahnung. Darüber kann sich jeder gern seine eigene Meinung bilden.

Plötzlich Liebe: „Eines Tages wurde Anja klar, dass sie mir als nur freundschaftliche Gefühle für Nicole empfindet.“

Lasst uns doch mal gemeinsam zurückblicken: Wie habt ihr euch kennengelernt?

Wir haben uns vor 5 1/2 Jahren auf einer Grillparty kennengelernt und mochten uns am Anfang gar nicht (lach). Einige Wochen später haben wir uns zufällig noch einmal auf einer Party wiedergetroffen. Nach ein paar Gläschen Prosecco und einigen überraschend amüsanten Gesprächen fanden wir uns dann gar nicht mehr so doof :).

War euch beiden von Anfang an klar: „Die ist es!“? oder hat es noch eine Weile gedauert bis ihr zusammengekommen seid?

Nein, so klar war uns beiden das überhaupt nicht! Denn zunächst waren wir erst einmal zwei Jahre „nur“ befreundet. Haben fast jeden Tag Zeit miteinander verbracht. Das hat uns als Menschen unheimlich eng zusammengeschweißt. Eines Tages wurde Anja klar, dass sie mir als nur freundschaftliche Gefühle für Nicole empfindet. Erst dieses Geständnis brachte den Stein ins Rollen. Ab da an hatte auch Nicole den Mut sich mehr und mehr einzugestehen, dass sie sich in Anja verliebt hat.

Liebe Nicole, wir wissen ja von dir, dass du vor Anja lange mit einem Mann zusammen warst. Wie war es für dich zu merken, dass du deine große Liebe in einer Frau gefunden hast. (Und: Wie hat dein Umfeld reagiert?)

Heute kann ich sagen: Anja ist das Beste, was mir je passiert ist! Aber damals war das für mich eine emotionale Achterbahnfahrt. Und die hatte weniger mit der Tatsache zu tun, dass ich mich in eine Frau verliebt hatte. Sondern damit, dass ich anfänglich Angst hatte, zu genau eben diesen Gefühlen zu stehen. Fragen, wie: Was könnte meine Familie, meine Freunde oder auch meine Kollegen denken waren in diesem Moment wichtiger als ich selbst. Heute weiß ich: Meine Ängste waren völlig unbegründet. Denn mein Umfeld hat sehr positiv auf Anja reagiert. Wahrscheinlich, weil sie gemerkt haben, wie glücklich wir miteinander sind.

Und dann Mamas: „Der erste Versuch war gleich ein Treffer!“

Hochzeit im Mai 2014.

Ihr habt ja erzählt, dass euch relativ schnell klar war, dass ihr gemeinsam eine Familie gründen möchtet. Wer hat das Kind ausgetragen von euch?

Also das war so: Kennt ihr Schnick Schnack Schnuck? (lach!) Nein, im Ernst. Wir haben entschieden, dass Nicole das Kind bekommt weil sie die Jüngere von uns beiden ist. Und damit die Chancen, bei einer künstlichen Befruchtung tatsächlich schwanger zu werden, einfach größer sind. Wir hatten enormes Glück! Der erste Versuch war gleich ein Treffer!

Und, also, sorry, wenn wir das so direkt fragen, aber: Wie (und wo) habt ihr den Vater eures Sohnes gefunden?

In Deutschland ist es für zwei Frauen ja leider immer noch nicht möglich zusammen ein Kind zu bekommen. Deshalb führte unser Weg direkt in eine Klinik nach Dänemark. Diese hat uns dann wiederum an eine kooperierende Samenbank weitergeleitet. Nach einer teilweise bizarren Suche haben wir dort auch einen passenden Spender gefunden.

Warum ward ihr euch bei diesem Mann sicher?

Von jedem Spender gibt es ein sehr detailliertes Profil. Das umfasst neben seinem Kinder-Foto, dem Lebenslauf und einer medizinischen Analyse auch ein Interview in dem er über die Beweggründe für seine Spende spricht. Als wir das gehört hatten war uns Beiden klar: der ist es! Und auch seine Stimme und sein Foto waren nicht von schlechten Eltern 🙂

Geburt ihres Sohnes im Dezember 2014.

Darf euer Sohn seinen Vater irgendwann kennenlernen, falls er möchte?

Na klar! Wir haben uns ganz bewusst für eine „offene“ Spende entschieden. Wenn unser Sohn 18 Jahre alt ist kann er selbst entscheiden, ob er Kontakt zu ihm aufnehmen will oder nicht. Das ist per Gesetz so geregelt.

Wie habt ihr die Schwangerschaft und die Geburt erlebt?

Die Schwangerschaft war recht unkompliziert. Die Geburt war leider eine Katastrophe! Aber die würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.

Und wie sehr hat das Mamasein euer Leben auf den Kopf gestellt?

Da geht es uns auch nicht anders als allen anderen Müttern auf dieser Welt. Vor allem der Schlafmangel hat uns Beiden in der ersten Zeit schwer zu schaffen gemacht (lach)! Anja ist eher ein Nachtmensch und war es gewohnt auszuschlafen. Glücklicherweise ist unser Sohn mittlerweile zwei Jahre alt und schläft tatsächlich fast jede Nacht durch.
Aber bei all den Herausforderungen die man so mit einem Kind haben kann sind wir einfach froh, dass wir unseren Kleinen haben und wir alle gesund sind. Das ist so gar nicht selbstverständlich. Und genau das machen wir uns jeden Tag aufs Neue bewusst!

Die glückliche Familie. Anja & Nicole mit ihrem Sohn kurz nach der Geburt.

„Wir fühlen uns wie ganz „normale“ Eltern, Ehefrauen und Menschen.“

Was uns auch interessieren würde: Wie kombiniert ihr Job und Familie im Alltag?

Wir haben das große Glück, dass Anja in ihrem Beruf als Sprecherin von zu Hause aus arbeitet. Dadurch ist sie zeitlich etwas flexibler als Nicole die als Redakteurin und Reporterin fest angestellt ist. Eine tolle Kombination. Denn so kann unser Sohn oder auch die Tagesmama krank werden, ohne dass gleich die große Panik ausbricht 🙂

Wo glaubt ihr müsste sich in unserer Gesellschaft, in unserem Zusammenleben noch was ändern, was das Thema „homosexuelle Eltern“ betrifft?

Glücklicherweise haben wir als gleichgeschlechtliches Elternpaar bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Ganz im Gegenteil. Wir fühlen uns wie ganz „normale“ Eltern, Ehefrauen und Menschen. Vielleicht liegt darin ja schon die Veränderung. Und na klar, bei so Themen wie zum Beispiel der Ehe für Alle, der Stiefkindadoption oder anderen gesellschaftlichen Benachteiligungen fragen wir uns auch, warum das eigentlich immer noch so kompliziert sein muss und nicht einheitlich geregelt ist. Denn ob unser Sohn glücklich aufwächst hängt doch nicht von unserem Geschlecht oder unserer Lebensform ab. Sondern von der Liebe und den Werten die wir in unserer Familie leben.

Was sind eure Zukunftspläne? Werdet ihr eure Geschichte irgendwo zu Papier bringen? Wir sind gespannt!

Ach grundsätzlich können wir uns Alles vorstellen! Wie anfangs schon erwähnt werden wir jetzt erst einmal mit unserem Blog online gehen. Und auch auf Instagram weiter fleißig posten. Und alles andere lassen wir, wie immer in unserem Leben, ganz entspannt auf uns zukommen. Eins ist zumindest sicher: unsere Familienplanung ist längst noch nicht abgeschlossen 🙂


Wir danken euch von Herzen für dieses tolle Interview und den spannenden Einblick in euer Leben. Wir freuen uns auf viele weitere Geschichten von euch!

Ihr möchtet mehr von Anja & Nicole lesen, mehr über ihre Familie erfahren? Dann schaut doch mal auf ihrem Blog vorbei. Auf Facebook findet ihr die beiden Mädels hier.

2 thoughts on “2 Mamas, 1 Kind: Die Geschichte einer Liebe. Interview.”

  1. Der Wahnsinn ihr beiden Mamas! Mir macht es so viel Freunde euer Interview zu lesen und euch zu zu schauen, dass kommt sehr gut an

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.